Ehrenhain II auf dem Friedhof am Perlacher Forst, München
Ehrenhain II auf dem Friedhof am Perlacher Forst, München
Die Geschichte des Widerstands gegen den Nationalismus ist geprägt von Selbstbehauptung, Verweigerung und Aufopferung, von der Existenz von Handlungsmöglichkeiten, die nur von einer Minderheit der Deutschen ergriffen wurden, und einer oftmals erst spät erfolgten Anerkennung in der Nachkriegszeit. In den durch die Wehrmacht besetzten europäischen Ländern war die aktive Gegnerschaft gegenüber der nationalsozialistischen Ideologie mehr noch ein Kampf für das nationale, kulturelle und individuelle Überleben und wurde besonders erbittert von der NS-Justiz verfolgt.
Blick auf den Ehrenhain II am Friedhof Perlacher Forst, München
Foto: SBG
Auf dem Ehrenhain II sind 93 Männer aus der Tschechoslowakei, Polen, Österreich und dem Deutschen Reich beigesetzt. Sie alle wurden von der NS-Justiz aus unterschiedlichsten politischen und rassistischen Gründen zum Tode verurteilt und im Gefängnis München-Stadelheim zwischen 1942 und 1945 hingerichtet.
Der Ehrenhain II entstand ab 1954 auf Beschluss des Münchner Stadtrats. Bis 1958 wurden zahlreiche zuvor anonym bestattete NS-Opfer dorthin umgebettet. Die Entscheidungen über Umbettungen oder Überführungen in die Heimatländer erfolgten vielfach ohne Einbeziehung der Angehörigen. Seit 1996 erinnert ein Grabstein aus Flossenbürger Granit mit den Namen der Ermordeten an ihr Schicksal.
Am 28. April 2026 wurden am Ehrenhain II zwei neue Informationstafeln feierlich eingeweiht. Das Projekt entstand in enger Zusammenarbeit der Stiftung Bayerische Gedenkstätten mit Frau Helena Novotná, dem Gesundheitsreferat der Landeshauptstadt München sowie der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim.
Im folgenden finden Sie die vollständige Gräberliste sowie biographische Informationen zu den hier bestatteten NS-Opfern. Die Grundlage hierfür bildet die umfangreiche Arbeit von Irene Stuiber, die im Auftrag der Landeshauptstadt München den Ehrenhain II und die Geschichten der hier bestatteten NS-Opfer 2004 erforscht hat.
Neben dem Ehrenhain II befinden sich auf dem Friedhof am Perlacher Forst weitere Gräber von Opfern des NS-Regimes. Im Ehrenhain I, der 1950 angelegt und 2021 umgestaltet wurde, sind die Urnen von 3996 KZ-Häftlingen und Opfern der NS-„Euthanasie“ beigesetzt. In der Sektion 124 befindet sich seit 1960 eine Grabanlage mit mehr als 1.100 Opfern der NS-Gewaltherrschaft. Dabei handelt es sich insbesondere um Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die zwischen 1942 und 1946 in München und Umgebung starben, sowie um weitere Hinrichtungsopfer des Gefängnisses München-Stadelheim. In Einzelgräbern sind mehrere Mitglieder der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ bestattet, die 1943 in Stadelheim hingerichtet wurden, darunter die Geschwister Hans und Sophie Scholl, Christoph Probst und Alexander Schmorell. Zudem gibt es in der Sektion 112 Kriegsgräber polnischer Soldaten. Einen vollständigen Plan des Friedhofes finden Sie hier.
Sollten Sie Angehörige eines im Ehrenhain II bestatteten NS-Opfers sein oder weiterführende Informationen besitzen, sind wir über Ihre Kontaktaufnahme dankbar unter info@stbg.bayern.de