Staatspräsident der Republik Ungarn besucht KZ-Gedenkstätte Mühldorfer Hart – Gedenkakt am ehemaligen Massengrab mit Kranzniederlegung
Der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller, begleitete den ungarischen Staatspräsidenten und dessen Gattin Zsuzsanna Nagy auf dem Weg zu den ehemaligen Massengräbern. Zusammen mit Franz Langstein, Vorsitzender des Vereins "Für das Erinnern", erklärte er den Gästen aus Ungarn die Geschichte des Ortes und skizzierte die aktuelle Erinnerungsarbeit der Haupt- und Ehrenamtlichen. „Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten hat es sich zur Aufgabe gemacht, das System der Konzentrationslager in seiner Gesamtheit stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Dass der ungarische Staatspräsident Dr. Tamás Sulyok an dieser Stätte den Opfern der NS-Verbrechen gedenkt, zeigt einmal mehr, welche Bedeutung solche Orte haben. Hier gemeinsam mit dem Staatspräsidenten der Toten zu gedenken ist mir eine besondere Ehre“, sagte Karl Freller.
Landrat Max Heimerl hob die Bedeutung der Erinnerungsarbeit im Landkreis Mühldorf a. Inn heraus und machte deutlich, dass die Schaffung würdevoller Gedenkorte Teil einer historischen Verantwortung sei. „Wir tragen die Verantwortung für die Erinnerung, für das Gedenken und für die Würde derer, die im KZ-Außenlager Mühldorfer Hart ermordet wurden, ebenso wie für jene, die zeitlebens mit den körperlichen und seelischen Folgen von Gefangenschaft und Zwangsarbeit leben mussten. Diese Verantwortung begreifen wir nicht nur als Verpflichtung gegenüber der Geschichte, sondern vor allem als Auftrag für die Zukunft – heute und an jedem kommenden Tag“, sagte der Landrat.
"Mit dem Besuch des ungarischen Staatspräsidenten, Tamás Sulyok, gedenken wir insbesondere der Deportation ungarischer Juden hierher – ihrer Zwangsarbeit und des Todes vieler von ihnen", sagte Bundestagsabgeordneter Stephan Mayer und richtete den Blick zugleich auf den 19. Januar, den offiziellen Gedenktag Ungarns an die Deportation seiner Ungarndeutschen. "Deshalb erinnern wir zugleich daran, dass mit Waldkraiburg in unmittelbarer Nachbarschaft nach dem Krieg eine neue Stadt entstand, die für viele Ungarndeutsche zur neuen Heimat wurde. Dass sich an diesem Ort des Schreckens heute die Nachkommen beider Völker die Hände reichen, ist ein starkes Zeichen der Erinnerung, der Verantwortung und der Versöhnung", so Mayer.
Zum Abschluss des Gedenkakts legten der ungarische Staatspräsident Dr. Tamás Sulyok und Landrat Max Heimerl am "Gedenkort Massengrab" jeweils einen Kranz nieder. Zudem trug sich das ungarische Staatsoberhaupt in das Ehrenbuch des Landkreises Mühldorf a. Inn ein.
Reger Austausch: (v.l.n.r.) Franz Langstein, Staatspräsident Dr. Tamás Sulyok, Landrat Max Heimerl, Sascha Schnürer MdL, Stiftungsdirektor Karl Freller MdL und Stephan Mayer MdB © Pressestelle Landratsamt Mühldorf a. Inn / Heiner Heine.
Über das KZ-Außenlager Mühldorfer Hart
In der Endphase des Zweiten Weltkriegs sollte im Mühldorfer Hart eine bombensichere Fertigungsstätte für Kampfflugzeuge errichtet werden. Für den Bau des Bunkers entstanden im Landkreis Mühldorf vier Außenlager des KZ Dachau. Etwa die Hälfte der über 8.300 meist jüdischen KZ-Häftlinge starb vor Ort an den katastrophalen Verhältnissen, nach der Deportation in ein Vernichtungslager oder auf Todesmärschen. Über 2.200 Tote wurden in Massengräbern verscharrt. Nach der Befreiung des Lagers veranlassten die US-amerikanischen Einheiten umgehend die Exhumierung durch ehemalige NSDAP-Angehörige und die würdevolle Bestattung auf Ehrenfriedhöfen.
Im Mühldorfer Hart bestehen heute an den historischen Arealen des ehemaligen Waldlagers und des ehemaligen Massengrabs zwei Gedenkorte. Am historischen Bunkerbogen wird zeitnah ein weiterer Gedenkort entstehen.
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