Feierliche Einweihung: Denkmal für die Opfergruppe der Zeugen Jehovas

Das am 24. Juni in Berlin Tiergarten neu errichtete würdige Mahnmal für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas macht die oftmals wenig sichtbare Geschichte von Verfolgung und Ausgrenzung aufgrund religiöser Überzeugungen deutlich. Es erinnert an die Zeugen Jehovas, die wegen ihres Glaubens, ihrer Kriegsdienstverweigerung oder ihres beharrlichen Festhaltens an Gewissensentscheidungen (z.B. Verweigerung des Hitler-Grußes) Stigmatisierung, Inhaftierung und Gewalt erfahren haben. Etwa 9.000 Mitglieder der Glaubensgemeinschaft wurden damals inhaftiert; viele kamen ins Konzentrationslager, mindestens 1.000 starben. Die Einweihung bot Anlass zu stillem Gedenken, zur historischen Einordnung und zur öffentlichen Auseinandersetzung mit diesen Erfahrungen.

Prominente Redner und Gäste

Zu den prominenten Rednern gehörten unter anderem Julia Klöckner, Präsidentin des Deutschen Bundestags, und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Die Moderation übernahm Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Daneben nahmen Vertretungen aus Politik, der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas, Forschende der historischen Wissenschaften sowie Akteure aus Menschenrechts‑ und Erinnerungskulturorganisationen teil. Auch Angehörige, Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie zivilgesellschaftliche Initiativen waren präsent und trugen mit persönlichen Beiträgen zur Veranstaltung bei. Für die musikalische Begleitung sorgte das Kammerorchester Terra Nova unter der Leitung von Jerome Weiss.

Bedeutung des Denkmals

Der zwölf Tonnen schwere golden wirkende Baum besitzt eine zerklüftete Oberfläche, die die Verletzungen und Narben der Zeugen Jehovas aus der NS-Zeit verdeutlichen soll. Der Baum als solcher symbolisiert die Standfestigkeit der Glaubensgemeinschaft in ihrem Widerstand gegen die NS-Diktatur. Das Mahnmal steht am sogenannten Goldfischteich in Berlin Tiergarten. Während der Nazi-Zeit war das ein geheimer Treffpunkt der Zeugen Jehovas. Dort kam es auch zu einer Verhaftungsaktion der Gestapo.

  • Erinnerung bewahren: Das Mahnmal macht individuelle Schicksale und kollektive Erfahrungen sichtbar und trägt zur Bewahrung des Gedenkens über Generationen bei.
  • Öffentliche Sichtbarkeit: Es erweitert das erinnerungskulturelle Spektrum Berlins und macht eine bislang wenig beachtete Opfergruppe im Stadtraum präsent.
  • Mahnung an Werte: Das Denkmal steht als Symbol gegen Intoleranz und für Religions‑ sowie Gewissensfreiheit.
  • Bildung und Aufklärung: Es bietet Anknüpfungspunkte für historische Reflexion und Bildungsarbeit über Menschenrechte, Zivilcourage und staatliche Verantwortung.

Das Mahnmal geht auf einen Beschluss des Bundestags von Juni 2023 zurück und wird durch die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas betreut. Es stärkt das kollektive Bewusstsein für die Folgen religiöser Verfolgung und unterstreicht die fortwährende Verpflichtung, Menschenrechte und religiöse Vielfalt zu schützen.