Stiftungsdirektor Karl Freller dankbar: „Grünes Licht durch heutigen Ministerrats-Beschluss macht Weg frei für einen zentralen erinnerungskulturellen Meilenstein in Bayern!“

MÜNCHEN, 12. Mai 2026 – Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten begrüßt die heutigen Entscheidungen des Ministerrats: Die Übernahme des Grundstücks des historischen „Kräutergartens“ in Dachau durch die Stiftung. „Der heutige Ministerratsbeschluss bedeutet grünes Licht für dieses zentrale erinnerungskulturelle Projekt. Nun ist der Weg frei für einen Erinnerungs- und Lernort „Kräutergarten“ an der KZ-Gedenkstätte Dachau, erklärt Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten.

„Seit vielen Jahren setzen wir uns kontinuierlich dafür ein, dass der historisch belastete Ort „Kräutergarten“ mit seinen eindrücklichen Relikten angemessen erschlossen und in die pädagogische Arbeit der KZ-Gedenkstätte Dachau einbezogen wird. Nun gibt es eine klare Perspektive für die weitere Umsetzung“, so Freller. Die Entscheidung des Ministerrats zum „Kräutergarten“ ist das Ergebnis langjähriger und intensiver Bemühungen auf Ebene der Erinnerungskultur, der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft - vor allem aber der Politik. „Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten dankt allen Beteiligten, die sich in Abstimmungen, Fachgesprächen und Konzeptentwicklungen dafür eingesetzt haben, dass der „Kräutergarten“ ab jetzt nicht nur als historischer Ort gesichert, sondern zukünftig auch für die Bildungsarbeit nutzbar gemacht werden kann. Mit dem nun gefassten Beschluss ist eine wesentliche Voraussetzung dafür geschaffen, die Erschließung des Areals weiter voranzutreiben und die notwendigen Schritte zur baulichen, inhaltlichen und pädagogischen Ausgestaltung vorzubereiten“, so Karl Freller weiter.

Der „Kräutergarten“: Würdige Gestaltung und Zugang für die Öffentlichkeit

Die Übernahme des „Kräutergartens“ des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau durch die Stiftung Bayerische Gedenkstätten hat seit vielen Jahren prominente Unterstützung durch engagierte Holocaust-Überlebende in München und Bayern erfahren. So haben sich beispielsweise Dr. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, und S.K.H. Franz von Bayern immer wieder öffentlich dafür eingesetzt.

Ziel der Stiftung ist es, den „Kräutergarten“ im Rahmen der Neukonzeption der KZ-Gedenkstätte Dachau als würdigen Ort des Gedenkens, der Information und der historisch-politischen Bildung zu entwickeln. Zentrale Grundlage dafür bildet die zweiteilige Studie von Dr. Anne Sudrow [„Heil.Kräuter.Kulturen – Ökologischer Landbau, Naturheilkunde und SS-Terror auf den Versuchsgütern des KZ Dachau“ sowie „Saat der Gewalt – der „Kräutergarten“ in Dachau seit 1945“], die ein maßgebliches wissenschaftliches Fundament für die Erschließung des „Kräutergartens“ gelegt hat.

Die von der KZ-Gedenkstätte Dachau beauftragte Untersuchung arbeitet die historische Funktion, Bedeutung und Topographie des Areals detailliert heraus und zeigt, wie dieser Ort in das Gesamtverständnis der KZ-Gedenkstätte eingebettet werden kann.

Historischer Hintergrund zum „Kräutergarten“ des KZ Dachau

Während der Zeit des Nationalsozialismus legte die SS östlich und in direkter Nachbarschaft zum Konzentrationslager Dachau ein großes Gartengelände an. Dieses von der SS verharmlosend als „Kräutergarten“, von den Häftlingen treffender als „Plantage“ bezeichnete Areal wurde von der SS-eigenen „Deutschen Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung“ (DVA) betrieben. Von Januar 1939 bis April 1945 unterhielt die DVA hier einen umfangreichen Landwirtschafts- und Gärtnereibetrieb. Tausende KZ-Häftlinge wurden täglich zu schwerer Arbeit auf den Feldern und in der Verarbeitung der Erzeugnisse gezwungen; unzureichende Kleidung, Unterernährung und die Schikanen der SS machten diese Arbeit zu einer lebensgefährlichen Tortur.