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Gemeinsames Gedenken: Feierlichkeit mit großem Rahmenprogramm anlässlich des 77. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau

Am Sonntag, 1. Mai 2022, kamen ca. 250 Besucherinnen und Besucher in der KZ-Gedenkstätte Dachau zusammen, um an die Befreiung des Konzentrationslagers vor 77 Jahren zu erinnern und der Opfern zu gedenken. Prof. Dr. Michael Piazolo, Bayerischer Staatsminister für Unterricht und Kultus, hielt die Rede beim zentralen Gedenken am ehemaligen Appellplatz. Karl Freller, Stiftungsdirektor Bayerische Gedenkstätten, betonte in seiner Ansprache die Bedeutung des Ortes und skizzierte konkrete Pläne für seine Zukunft: „KZ-Gedenkstätten sind zentrale Erinnerungs- und Vermittlungsorte für die nationalsozialistischen Verbrechen und dienen als steinerne Zeugen der Nachwelt zur Mahnung … Sie zu erhalten ist eine immerwährende Aufgabe und Verpflichtung.“

Nach der Begrüßung durch Dr. Gabriele Hammermann, Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, und einem Grußwort durch Stiftungsdirektor Karl Freller, sprachen beim zentralen Gedenken am ehemaligen Appellplatz General Jean-Michel Thomas, Präsident des Comité International de Dachau (CID), sowie als Hauptredner der Staatsminister für Unterricht und Kultus, Prof. Dr. Michael Piazolo. Drei Überlebende übermittelten ihre Botschaften.

Piazolo hob die Bedeutung dieser historischen Stätte für die Jugend hervor: „Wir gedenken der Opfer der NS-Diktatur und erinnern an ihr Leid. An diesem Ort stellen wir uns aber auch unserer historischen Verantwortung als Deutsche. Dies ist ein wichtiger Auftrag für unsere Bildungsarbeit. Die Bayerische Verfassung verpflichtet uns, junge Menschen im Geist der Demokratie und der Völkerversöhnung zu erziehen. Gerade auch für unsere Schülerinnen und Schüler sind Orte wie die Gedenkstätte Dachau deshalb unverzichtbar. Dieser historische Ort hier in Dachau muss deshalb gleichzeitig der Ausgangspunkt sein für sichtbares und konkretes Handeln in Gegenwart und Zukunft.“ Auch Stiftungsdirektor Freller machte die Zukunft zum Thema, als er über den Erhalt und die geplante Gestaltung der KZ-Gedenkstätte sprach: „KZ-Gedenkstätten sind zentrale Erinnerungs- und Vermittlungsorte für die nationalsozialistischen Verbrechen und dienen als steinerne Zeugen der Nachwelt zur Mahnung. Sie zu erhalten ist eine immerwährende Aufgabe und Verpflichtung… Ich bin zuversichtlich, dass wir bis zum Jahr 2033 –  100 Jahre nach der Errichtung des KZ Dachau durch die Nationalsozialisten – alles, was wir uns für den Ort vorgenommen haben, erreichen werden.“  

Historiker Borys Zabarko und andere Überlebende als Ehrengäste

Unter den Gästen der Befreiungsfeier waren fünf Überlebende sowie zahlreiche Angehörige ehemaliger Häftlinge. Während Abba Naor, Vizepräsident des CID und Überlebender des KZ Dachau, eine Rede beim Gedenken am ehemaligen Krematorium hielt, vermittelten Jean Lafaurie und Mario Condotto, beide Überlebende des KZ Dachau, ihre Botschaften beim zentralen Gedenken am ehemaligen Appellplatz an die Zuhörerschaft. Der prominente Historiker Dr. Borys Zabarko, Überlebender des ukrainischen Ghetto Scharhorod, Präsident der ukrainischen Vereinigung jüdischer ehemaliger Häftlinge der Ghettos und nationalsozialistischer Konzentrationslager, der jüngst erfolgreich aus der bekriegten Ukraine nach Deutschland geflohen war, beehrte die Veranstaltung ebenfalls durch seine Teilnahme und sprach zu den Anwesenden.

Die Kranzniederlegung fand wie in den beiden vergangenen Jahren ohne Zeremonie bereits vorab statt. Um ca. 13:00 Uhr folgte eine Gedenkstunde am ehemaligen „SS-Schießplatz Hebertshausen“.

Religiöse Gedenkfeiern und Gedenken am ehemaligen Krematorium

Der Tag begann mit religiösen Gedenkfeiern: Um 9:30 Uhr fanden im Karmel Heilig Blut eine ökumenische Feier sowie in der Christi-Auferstehungs-Gedächtniskapelle ein russisch- orthodoxer Gottesdienst statt. Vor dem Jüdischen Mahnmal wurde im stillen Gedenken ein Kranz niedergelegt.

Im Anschluss daran fand die zentrale Gedenkveranstaltung vor dem ehemaligen Krematorium statt. Dort sprachen Abba Naor, Holocaust-Überlebender und Vizepräsident des CID, sowie der Oberbürgermeister der Stadt Dachau, Florian Hartmann. Danach folgte eine Gedenkminute mit Kranzniederlegung durch das Comité International de Dachau. Diese Gedenkveranstaltung fand im geschlossenen Kreis statt.

Großes Rahmenprogramm im Vorfeld

Zwischen dem 27. April und 1. Mai bot die KZ-Gedenkstätte ein umfassendes Rahmenprogramm: So fand u.a. ein Mehrgenerationengespräch statt, es wurden ein digitaler Rundgang und ein digitales Seminar angeboten. Zudem gab es ein kostenfreies Gedenkkonzert im Schloss Dachau in Kooperation mit dem Ben-Haim-Forschungszentrum der Hochschule für Musik und Theater München. Die neue Sonderausstellung „Dachauer Prozesse – Verbrechen, Verfahren und Verantwortung“ wurde am 29. April feierlich eröffnet. Sie informiert über die rechtlichen Grundlagen, stellt Angeklagte, Zeugen und Gerichtspersonal vor und gibt einen Überblick über einzelne Verfahren und deren Folgen. Die Ausstellung ist ab Mai täglich geöffnet von 9 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist kostenfrei.