Gemeinsame Veranstaltung von Stiftung und Bayerischer Landtag mahnt zu Wachsamkeit
Zentrale Botschaften der Redner
Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, richtete einen eindringlichen Appell an die Anwesenden: "81 Jahre nach Kriegsende stehen wir an einem Scheideweg. Die Welt ist unsicherer geworden, gespaltener." Er warnte vor wachsendem Antisemitismus und "der Rückkehr des braunen Denkens in den Köpfen junger Politiker" und betonte die Notwendigkeit der täglichen Arbeit für Demokratie und Menschenrechte.
Landtagspräsidentin Ilse Aigner unterstrich die Bedeutung der Erinnerungskultur als "Akt der Stärke, des wehrhaften demokratischen Selbstbewusstseins". Sie verwies auf das erschütternde Beispiel von Alexander Kleytman, der die Shoah überlebte, aber mit 87 Jahren beim Attentat am Bondi Beach in Sydney ermordet wurde – "von Tätern, die Juden töteten – weil sie Juden sind". Ihre Mahnung: "Geschichte kann sich doch wiederholen, wenn wir sie nicht aufhalten."

Oberbürgermeister Marcus König betonte Nürnbergs besondere Verantwortung als ehemalige "Stadt der Reichsparteitage" und Ort der Nürnberger Prozesse: "Es ist unser Auftrag, unsere Demokratie zu schützen, die Erinnerung wachzuhalten. Und jeden Tag klar zu sagen: Ausgrenzung hat keinen Platz. Hass hat keinen Platz. Antisemitismus hat keinen Platz."
Persönliche Familiengeschichte als Mahnung

Besonders bewegend war die Rede von Filmproduzent Prof. Martin Moszkowicz, der als Sohn eines Opfers und Enkel eines Täters des NS-Regimes sprach. Er beschrieb die Versöhnungsarbeit seiner Eltern und warnte: "Der gefährlichste Verbündete des Hasses ist nicht der Radikale, sondern der Gleichgültige." Antisemitismus lebe nicht nur von Hass, sondern auch von Wegsehen und Schweigen. Martin Moszkowicz, der von seiner Partnerin, der Schriftstellerin Doris Dörrie begleitet wurde, erhielt Standing Ovations.
Prominente Teilnehmer und würdiger Rahmen
An der Veranstaltung nahmen zahlreiche hochrangige Persönlichkeiten teil, darunter die Holocaust-Überlebenden Abba Naor und Ernst Grube, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland Dr. Josef Schuster sowie Vertretungen aus Politik, Justiz und Kirche.
Foto: Bildarchiv Bayerischer Landtag / Foto: M. Balk

Kranzgedenken

Vor dem Gedenkakt wurden Kränze am Gedenkstein für die Synagoge am Hans-Sachs-Platz in Nürnberg niedergelegt. Vertreter verschiedener Opfergruppen – von der Israeltischen Kultusgemeinde und dem Internationalen Lagerkomitee Dachau (CID) über den Verband Deutscher Sinti und Roma bis zum CSD Nürnberg und dem Behindertenrat – waren bei der Kranzniederlegung anwesend.
Musikalische Begleitung
Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom Ensemble "Oper Plus" der Hochschule für Musik Nürnberg mit Operettenstücken jüdischer Komponisten wie Emmerich Kálmán, Paul Abraham und Friedrich Holländer – eine Erinnerung daran, dass Nürnberg Anfang des 20. Jahrhunderts eine Hochburg der Operettenkultur war, die bald darauf verboten und unterdrückt wurde.

Tradition mit aktuellem Auftrag
Der jährliche Gedenkakt des Bayerischen Landtags und der Stiftung Bayerische Gedenkstätten dient nicht nur der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, sondern auch der Mahnung an kommende Generationen, derartiges Unrecht nie wieder zuzulassen – eine Botschaft, die angesichts aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen von höchster Aktualität ist.
Empfang und Möglichkeit zu Austausch und Netzwerken

Die Gäste waren im Nachgang zu einem Stehempfang mit Imbiss in die Ehrenhalle des Rathauses Wolffscher Bau geladen und konnten sich in entspannter Atmosphäre bei kleinen Köstlichkeiten von „lokal“ bis „kosher light“ austauschen, bevor sie sich wieder auf die Heimreise aus dem winterlichen Nürnberg begaben.
Starke Schneefälle, die in der Nacht und am Morgen über Nürnberg und ganz Franken niedergingen, erschwerten die Anreise erheblich, so dass bedauerlicherweise etliche Gäste witterungsbedingt nicht teilnehmen konnten. Die live-Übertragung durch den Bayerische Rundfunk war hier eine große Unterstützung. Die Sendung bleibt dauerhaft in der BR-Mediathek verfügbar. BR Kommentator Stephan Mayer führte professionell wie immer durch die Veranstaltung und nutze die Gelegenheit, um die Landtagspräsidentin und den Stiftungsdirektor vorab fürs Fernsehen zu interviewen.
Die Pressemeldung zum Gedenkakt können Sie hier nachlesen.
Bildergalerie




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