Erinnern heißt Verantwortung übernehmen

Zum Europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma - Stiftungsdirektor Karl Freller: „Der Gedenktag erinnert uns an ein Menschheitsverbrechen, das viel zu lange nicht den Platz im öffentlichen Bewusstsein hatte, den es verdient.“

München, 31. Juli 2026 – Das Gedenken an den Porajmos, den nationalsozialistischen Völkermord an den europäischen Sinti und Roma, gehört zu den bleibenden Aufgaben der deutschen Erinnerungs-kultur. Anlässlich des offiziellen Europäischen Holocaust-Gedenktags für Sinti und Roma am 2. August erinnert die Stiftung Bayerische Gedenkstätten an die Opfer des Porajmos und lädt zu öffentlichen Themenrundgängen in den KZ-Gedenkstätten Dachau und Flossenbürg ein.

Der Gedenktag bezieht sich auf die Nacht vom 2. auf den 3. August 1944: Damals wurden die letzten rund 4.300 im sogenannten „Zigeunerlager“ des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau inhaftierten Sinti und Roma – überwiegend Frauen, Kinder und ältere Menschen – von der SS ermordet. Zugleich steht der Gedenktag für den nationalsozialistischen Völkermord an den europäischen Sinti und Roma, dem Schätzungen zufolge bis zu 500.000 Menschen zum Opfer fielen. Der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstättten, Karl Freller, dazu: „Der Gedenktag erinnert uns an ein Menschheitsverbrechen, das viel zu lange nicht den Platz im öffentlichen Bewusstsein hatte, den es verdient. Gerade deshalb bleibt es unsere Aufgabe, die Geschichten der Verfolgten Sinti und Roma sichtbar zu machen, den Nachkommen Gehör zu verschaffen und jeder Form von Antiziganismus mit Klarheit entgegenzutreten.“

Der Genozid an den Sinti und Roma wurde nach 1945 über Jahrzehnte hinweg nur unzureichend anerkannt und erforscht. Erst in der jüngeren Vergangenheit konnten Forschung, Gedenkstättenarbeit und das Engagement von Überlebenden sowie ihrer Verbände dazu beitragen, die Verfolgungsgeschichte stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Zugleich bestehen weiterhin Forschungslücken, insbesondere mit Blick auf regionale Verfolgungsgeschichten, Biografien der Opfer und die Nachgeschichte von Ausgrenzung und Diskriminierung. Ein wichtiger Schritt für die weitere Aufarbeitung ist der jüngste Beschluss des deutschen Bundeskabinetts zur Einsetzung einer Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung des Unrechts an Sinti und Roma nach 1945. Die Kommission soll Kontinuitäten der Diskriminierung und strukturelle Benachteiligungen untersuchen.

Antiziganismus auch heute Realität

Der Gedenktag richtet den Blick nicht nur auf die Geschichte, sondern auch auf die Situation von Sinti und Roma in der Gegenwart. Antiziganismus ist weiterhin in vielen europäischen Gesellschaften verbreitet. Der aktuelle Jahresbericht der Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) vom 9. Juni 2026 zeigt, dass Vorurteile, Diskriminierung und Feindseligkeit bis hin zu Übergriffen gegenüber Sinti und Roma auch in Deutschland weiterhin ein ernstzunehmendes Problem darstellen. Die dokumentierten Fälle machen deutlich, wie wichtig eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit Antiziganismus, historische Bildung und die Stärkung einer demokratischen Erinnerungskultur sind.

Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten versteht die Erinnerung an die verfolgten und ermordeten Sinti und Roma als festen Bestandteil ihrer historischen Bildungsarbeit. Anlässlich des Gedenktages bieten beide KZ-Gedenkstätten öffentliche Themenführungen an.

Öffentliche Führungen

KZ-Gedenkstätte Dachau: Am Sonntag, den 2. August, um 14:30 Uhr wird der Themenrundgang „Sinti und Roma im KZ Dachau“ angeboten. Der Rundgang beleuchtet insbesondere das Schicksal großer Transporte der Jahre 1938 und 1939 und erzählt anhand biografischer Beispiele die Geschichte einer lange vergessenen Verfolgtengruppe. Weitere Informationen finden sich hier: Sinti und Roma im KZ Dachau - KZ Gedenkstätte Dachau

KZ-Gedenkstätte Flossenbürg: Ebenfalls am Sonntag, den 2. August 2026, findet um 15.00 Uhr der Themenrundgang „Verfolgung von Sinti und Roma in der Oberpfalz und im Lagerkomplex Flossenbürg“ statt. Hier soll ein Bogen gespannt werden vom Leben der Sinti und Roma in Bayern in den 1920er und -30er Jahren über Ausgrenzung, Kriminalisierung, Verfolgung und Verhaftung bis hin zum Kampf um Entschädigung und Erinnerung nach 1945. Weitere Informationen finden sich hier: Öffentlicher Themenrundgang: Verfolgung von Sinti und Roma | KZ-Gedenkstätte Flossenbürg