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10/2021: Gedenken an Deportation vor 78 Jahren - Freller: „Das Leid verjährt nie - Wichtig, Opfer ins kollektive Gedächtnis zurückzuholen“

11.03.2021 München - Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten erinnert an die Deportation der Münchner Sinti und Roma am 13. März 1943.

„Wir gedenken der Kinder, Frauen und Männer, die an diesem Tag verletzt, verhaftet oder ermordet wurden. Es liegt in unserer Verantwortung, die nationalsozialistische Terrorherrschaft und ihre Opfer ins kollektive Gedächtnis zurückzuholen“, betont der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller.

Der Völkermord forderte zahlreiche Menschenleben. Europaweit starben hierbei höchstwahrscheinlich ungefähr 500.000 Sinti und Roma. Zur Zeit des Nationalsozialismus waren Sinti und Roma anfangs von diskriminierenden Gesetzen betroffen. Die geplante und vollzogene Vernichtungspolitik, die unter anderem in Form von Konzentrations- und Vernichtungslagern und Mord umgesetzt wurde, richtete sich ebenso gegen diese Minderheit. Himmlers „Auschwitz-Erlass“ ist auf den 16. Dezember des Jahres 1942 zu datieren. Der 8. März 1943 markiert den Beginn der Festnahme ganzer Familien in München. Man überbrachte diese in das Polizeigefängnis in der Ettstraße. Schließlich wurden am 13. März mehr als 130 Sinti und Roma aus München in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert.

Bei dem ersten gemeinsamen Gedenkakt des Bayerischen Landtags und der Stiftung Bayerische Gedenkstätten am 25. Januar 2011 standen die Opfer der Sinti und Roma im Mittelpunkt. Hauptredner bei diesem Gedenkakt war der KZ-Überlebende und frühere stellvertretende Vorsitzende des bayerischen Landesverbands Deutscher Sinti und Roma Franz Rosenbach. Der in Horaditz (im Sudentenland) geborene Rosenbach wurde 1943 als 15-Jähriger mit seiner Familie nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Von ihm stammt die Aussage: „Ich muss es (Anmerkung der Redaktion: Erinnern an die Verfolgung) tun, weil es ist wichtig für unseren Nachwuchs, für unsere Nachkommen. Damit die Nachkommen wissen, was uns alles passiert ist. Ja, das hab ich jetzt zu meiner Aufgabe gemacht, und ich werde es tun, so lange mir Gott das Auge offen hält“ Rosenbach schloss seine Augen für immer am 7. Oktober 2012 im Alter von 85 Jahren in Nürnberg.

Die am 13. März in Gedenken an die Opfer geplante Gedenkfeier der Landeshauptstadt München findet heuer pandemiebedingt digital statt. (Der Stream kann auf folgender Seite angeschaut werden: www.youtube.com/nsdoku;
Näheres: https://www.muenchen.de/rathaus/home/Stadtinfos/Aktuelles/Gedenkveranstaltung-130321). Die KZ Gedenkstätte Dachau und die Lagergemeinschaft Dachau bringen sich bei der Arbeit der Arbeitsgruppe „Gedenken an die aus München deportierten Sinti und Roma“ als Kooperationspartner ein.

Am Gedenktag werden ab 18 Uhr die Namen der Opfer an die Fassade des NS-Dokumentationszentrums projiziert. Zudem findet um 19 Uhr eine Online-Gedenkveranstaltung mit der Zweiten Bürgermeisterin der Landeshauptstadt München Katrin Habenschaden, dem Vorsitzenden des bayerischen Landesverbands Deutscher Sinti und Roma Erich Schneeberger, dem Stellvertreter des bayerischen Landesverbands Deutscher Sinti und Roma Roberto Paskowski, der Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München Dr. Mirjam Zadoff und dem wissenschaftlichen Mitarbeiter am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin Dr. Markus End statt.

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Über die Stiftung Bayerische Gedenkstätten

Seit ihrer Gründung am 1. Januar 2003 trägt die Stiftung Bayerische Gedenkstätten die Verantwortung für die KZ-Gedenkstätten Dachau und Flossenbürg. Zuvor war der Freistaat selbst bzw. die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen für diese beiden bedeutenden Gedenkorte in Bayern zuständig. Ausgangspunkt für die Stiftungsgründung war die Grundannahme, dass die Erinnerung an das nationalsozialistische Unrecht nicht allein als staatlicher Auftrag zu verstehen ist. Sie ist vielmehr eine Aufgabe, die sich der Gesellschaft in ihrer Gesamtheit stellt. Die Gedenkstättenstiftung ist grundsätzlich als eine operative Stiftung öffentlichen Rechts konzipiert.

Kontakt:
Karl Freller
Direktor der Stiftung Bayer. Gedenkstätten und Vizepräsident des Bayer. Landtages
Praterinsel 2
80538 München
Telefon: 089/2158-675-82
Pressestelle: Natalie Krettek, Mitarbeiterin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
E-Mail: Natalie.Krettek@stbg.bayern.de

Pressemitteilung herunterladen

Informationsflyer zur Gedenkveranstaltung der Landeshauptstadt München