Zum 10. Todestag von Uri Chanoch: Stiftungsdirektor Karl Freller erinnert: „Uri Chanochs persönlicher Einsatz als Zeitzeuge war von unschätzbarem Wert für die Gedenkarbeit“
Uri Chanoch war Vorsitzender der Vereinigung der Überlebenden der KZ Außenlager Dachau und Mitglied im Stiftungsrat der Stiftung Bayerische Gedenkstätten. Er verstarb im Alter von 87 Jahren am 1. September 2015 in Israel. Direktor Freller erinnert an ihn: "Uri Chanoch war ein Mann von außergewöhnlicher Stärke und Entschlossenheit. Sein persönlicher Einsatz als Zeitzeuge bis ins hohe Alter war von unschätzbarem Wert für die Gedenkarbeit in Bayern und darüber hinaus. Ich bin dankbar für die vielen Gespräche, die wir führen durften. Ich schätzte seine Weisheit, die er aus seinem schweren Schicksalsweg zu schöpfen wusste. Sein Motto 'Mein Leben war gut' zeugt von einer Haltung, die trotz allen erlittenen Leids die Kraft zur Vergebung und zur Brückenbildung zwischen den Völkern fand."
Zur Person
Uri Chanoch wurde 1928 in Kaunas (Litauen) geboren und überlebte als Jugendlicher das Ghetto von Kaunas sowie mehrere Konzentrationslager, darunter die KZ Außenlager Landsberg-Kaufering und schließlich das KZ Dachau, wo er im April 1945 von amerikanischen Truppen befreit wurde. Nach dem Krieg wanderte er 1946 zusammen mit seinem jüngeren Bruder Daniel (Danny) nach Israel aus. Den Rest seiner Familie hatte er in der Shoah verloren.
Als Vorsitzender der Vereinigung der Überlebenden der KZ Außenlager Dachau und als Mitglied im Stiftungsrat der Stiftung Bayerische Gedenkstätten prägte Chanoch die Erinnerungskultur in Bayern und Deutschland entscheidend mit. Er engagierte sich unermüdlich, auch für ein sichtbares Gedenken an die Zwangsarbeitslager und deren Erhalt als Erinnerungsorte. Zusätzlich gehörte er seit 2008 dem Vorstand der Jewish Claims Conference an, die sich für Entschädigungsleistungen an Überlebende einsetzt. Er war stets ein engagierter Förderer der deutsch-israelischen Beziehungen.
Gemeinsam mit seinen Freunden Solly Ganor und Abba Naor, die sein Schicksal teilten, prägte Uri Chanoch die Erinnerungsarbeit an den bayerischen KZ-Gedenkstätten nachhaltig mit. Seit den 1990er Jahren reiste er unzählige Male nach Deutschland, um vor Schulklassen von seinen Erlebnissen zu berichten, vor Rechtsradikalismus zu warnen und für Demokratie zu werben.
Im Jahr 2013 fand die gemeinsame Gedenkfeier des Landtags und der Stiftung Bayerische Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus im ehemaligen KZ Außenlager Landsberg statt – im Bunker der Landsberger Welfenkaserne. Dort war Uri Chanoch über ein dreiviertel Jahr inhaftiert gewesen und hatte schwerste Zwangsarbeit unter menschenunwürdigen Bedingungen verrichten müssen. Beim Gedenkakt übergab er seine Sträflingsjacke als Dauerleihgabe für die dortigen Ausstellung.
Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten setzt die Arbeit fort, die Lebensgeschichten von Überlebenden wie Uri Chanoch zu bewahren und an nachfolgende Generationen weiterzugeben. Seine mit Unterstützung der Stiftung ins Deutsche übersetzte Biographie: „Von Kaunas über Dachau in ein neues Leben“ ist 2023 im Allitera Verlag erschienen. Seine Botschaft ist aktueller denn je: Die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus ist nicht nur Mahnung, sondern auch Auftrag für eine demokratische Gesellschaft.
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