Seine Botschaft bleibt
Zum 10. Todestag des Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer äußert sich Stiftungsdirektor Karl Freller: "Wir erinnern heute an einen der bedeutendsten Mahner, Versöhner und Wegbereiter der bayerischen Erinnerungskultur."
Zum zehnten Todestag von Max Mannheimer am 23. September erinnert die Stiftung Bayerische Gedenkstätten an diesen bedeutenden Zeitzeugen. Max Mannheimer war der KZ-Gedenkstätte Dachau über Jahrzehnte eng verbunden und prägte die Erinnerungsarbeit in Bayern weit über Dachau hinaus.
Stiftungsdirektor Karl Freller würdigt Max Mannheimer: „Wir erinnern heute an einen der bedeutendsten Mahner, Versöhner und Wegbereiter der bayerischen Erinnerungskultur. Zehn Jahre nach seinem Tod ist sein Vermächtnis aktueller denn je. Sein Erbe verpflichtet uns: Historisch-politische Bildung, die Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen und die Stärkung demokratischer Haltung bleiben zentrale Aufgaben der Gedenkstättenarbeit.“
Verbunden mit Dachau
Max Mannheimer setzte sich seit den 1980er Jahren mit großer Kraft für die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus ein. Der KZ-Gedenkstätte Dachau blieb er bis zu seinem Tod eng verbunden: Hier führte er Schülerinnen und Schüler durch das ehemalige Konzentrationslager; besonders wichtig war ihm stets der unmittelbare Austausch mit jungen Menschen. Hier wurden seine Erinnerungen zunächst in den „Dachauer Heften“ veröffentlicht; seine Autobiografie „Spätes Tagebuch: Auschwitz, Dachau, Mühldorf“ erschien im Jahr 2000 im Piper Verlag. Von 1990 bis 2016 war Mannheimer Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau, ab 1995 zudem Vizepräsident des Comité International de Dachau (CID).
„Max Mannheimer hat bis an sein Lebensende unermüdlich gegen das Vergessen und den aufkeimenden Rechtsextremismus gekämpft. Heute, zehn Jahre nach seinem Tod, stehen wir mitten in einer Epoche, vor der er uns oft gewarnt hat: einer Erinnerungskultur ohne die starken Stimmen der Überlebenden. Er mahnte uns, das Erstarken von Antisemitismus und Rassismus in unserer heutigen Gesellschaft nicht schweigend hinzunehmen. Seine Stimme fehlt uns – doch sein Appell an unsere Zivilcourage bleibt aktueller denn je.“
Dr. Gabriele Hammermann, Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau
Erinnerung verpflichtet
Sein wohl bekanntestes Vermächtnis bringt die Verantwortung der nachfolgenden Generationen auf den Punkt: „Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon.“ Mannheimer wollte junge Menschen nicht mit historischer Schuld belasten, sondern sie dazu ermutigen, aus der Geschichte Verantwortung für das eigene Handeln abzuleiten. Gerade angesichts des wieder erstarkenden Antisemitismus und einer politischen Entwicklung, in der demokratische Grundwerte in Deutschland zunehmend unter Druck geraten, gewinnt sein Appell neue Dringlichkeit.
Sein Vermächtnis lebt weiter
Auch im Max Mannheimer Haus in Dachau wird sein Anliegen bis heute weitergetragen. Das Studienzentrum steht für historische und politische Bildungsarbeit, Begegnung und die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus.
Filmische Dokumentation „Dachauer Dialoge“
Max Mannheimer verband über viele Jahre eine tiefe Freundschaft mit Schwester Elija im Kloster Karmel Heilig Blut in Dachau. Beide beschäftigten sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit der Aufarbeitung des Holocaust. Die Filmemacher Marina Maisel und Michael Bernstein erkannten in diesem Dialog eine wichtige Botschaft, die sie dokumentieren und weitergeben wollten. Im Auftrag der Stiftung Bayerische Gedenkstätten luden sie deshalb im Oktober 2015 Max Mannheimer und Sr. Elija dazu ein, ihre Gespräche vor der Kamera zu führen. Die daraus entstandenen Kurzfilme geben ein lebendiges Zeugnis einer außergewöhnlichen Freundschaft und vermitteln die Botschaften zweier Zeitzeugen in Form eines offenen Austauschs zu Themen, die bis in unsere Gegenwart aktuell sind. [interner Link zu den Filmclips]
Kostenfrei vier Wochen lang streamen
Zusätzlich entstand der Film „Dachauer Dialoge“, der diesen einmaligen, jüdisch-christlichen Dialog umfassend dokumentiert. Am 23. September 2016 verstarb Max Mannheimer. Die Filmpremiere fand ihm zu Ehren ein Jahr später, an seinem ersten Todestag, in Anwesenheit seiner beiden Kinder in München statt. Anlässlich des zehnten Todestages von Max Mannheimer steht der Film allen Interessierten kostenfrei als Stream zur Verfügung. [externer Link zum Stream]
Zur Person
Max Mannheimer wurde am 6. Februar 1920 im mährischen Neutitschein (heute Nový Jičín, Tschechien) geboren. Mit seiner Familie wurde er 1943 zunächst in das Konzentrationslager Theresienstadt und anschließend in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Seine Eltern, seine Schwester, zwei Brüder und seine Ehefrau wurden ermordet. Max Mannheimer und sein jüngerer Bruder Edgar überlebten die Konzentrationslager Auschwitz, Warschau und Dachau. Nach seiner Befreiung 1945 in Bayern arbeitete er zunächst als Kaufmann und Prokurist. Später war er als Künstler und Schriftsteller tätig. Insbesondere seit den 1980er Jahren wurde er als Zeitzeuge zu einer wichtigen Stimme der Aufklärung und Versöhnung. Er heiratete zwei weitere Male und wurde Vater zweier Kinder. Am 23. September 2016 starb Max Mannheimer im Alter von 96 Jahren in seiner Wahlheimat München.

