Gedenken an die Novemberpogrome
C. Knobloch und K. Freller in der KZ-Gedenkstätte Dachau, Mai 2026. Foto: SBG
Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten erinnert an die Novemberpogrome und würdigt 20 Jahre Hauptsynagoge Ohel Jakob – Direktor Karl Freller: „Jüdisches Leben in Bayern muss selbstverständlich sein!“
Am 9. November 1938 zerstörten Angehörige von SA, SS und weiteren NS-Organisationen gemeinsam mit Teilen der deutschen Bevölkerung Synagogen, verwüsteten jüdische Geschäfte und Wohnungen und verhafteten, misshandelten und ermordeten jüdische Menschen im gesamten ehemaligen Deutschen Reich. Die Novemberpogrome markieren eine entscheidende Eskalation der nationalsozialistischen Judenverfolgung. Auch in München wurden jüdische Gotteshäuser, Einrichtungen und Geschäfte zerstört. Der Jahrestag erinnert an die Verbrechen und mahnt zur Verantwortung für die Gegenwart.
In diesem Jahr fällt das Gedenken mit einem besonderen Jubiläum zusammen: Am 9. November 2006 wurde die Hauptsynagoge Ohel Jakob am St.-Jakobs-Platz in München feierlich eröffnet. Mit einem Festakt am kommenden Montag begeht die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern den 20. Jahrestag dieses Ereignisses. „Der 9. November 1938 steht für die dunkelsten Kapitel unserer Geschichte. Dass sich seit zwanzig Jahren eine Hauptsynagoge im Herzen Münchens befindet, ist ein starkes Zeichen. Jüdisches Leben in Bayern muss selbstverständlich sein!“, so Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten.
Jüdisches Leben im Herzen Münchens
Die Eröffnung der Hauptsynagoge vor 20 Jahren war weit mehr als die Einweihung eines Gotteshauses. Sie stand für die Rückkehr der jüdischen Gemeinde in die Mitte der Stadt und für ein selbstbewusstes jüdisches Leben in München. Die Synagoge ist Teil des Jüdischen Zentrums am St.-Jakobs-Platz, zu dem auch das Gemeindehaus und das Jüdische Museum gehören. Gemeinsam bilden sie einen bedeutenden Ort des Glaubens, der Kultur, der Begegnung und des gesellschaftlichen Miteinanders.
Eine besondere Bedeutung kommt dem unterirdischen Verbindungsgang zwischen Synagoge und Gemeindehaus zu. Beleuchtete Glasplatten erinnern dort an mehr als 4.500 Münchner Jüdinnen und Juden, die während der nationalsozialistischen Herrschaft ermordet wurden. So verbindet das Jüdische Zentrum die Erinnerung an die Verfolgung und Vernichtung mit dem erkennbaren und lebendigen jüdischen Leben der Gegenwart.
IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch: Prägende Persönlichkeit für Bayern
Mit der Entstehung des Jüdischen Zentrums ist untrennbar Dr. h. c. Charlotte Knobloch verbunden. Als langjährige Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) München und Oberbayern und frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland hat sie sich über Jahrzehnte mit außergewöhnlichem Engagement für die jüdische Gemeinschaft, für die Sichtbarkeit jüdischen Lebens und gegen Antisemitismus eingesetzt.
Als Überlebende der Schoah hat sie der Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen eine eindringliche Stimme gegeben. Zugleich trug sie entscheidend dazu bei, dass jüdisches Leben in München wieder einen festen und selbstverständlichen Platz im Herzen der Stadt einnehmen kann.
„Charlotte Knobloch hat mit großer Beharrlichkeit, persönlichem Mut und Weitsicht Außergewöhnliches für München und ganz Bayern geleistet. Ihr Einsatz für den Wiederaufbau jüdischen Lebens und für ein selbstverständliches Miteinander verdient unsere höchste Anerkennung. Das Jüdische Zentrum am St.-Jakobs-Platz ist auch ein bleibendes Zeugnis ihres Lebenswerks“, so Freller weiter.
Erinnerung verpflichtet
Für die Stiftung Bayerische Gedenkstätten ist das Gedenken an die Novemberpogrome untrennbar mit der Verantwortung für die Gegenwart verbunden. Die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus bedeutet auch, heutigen Formen von Antisemitismus, Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit entschieden entgegenzutreten.
