Dritter Jahrestag des Terrorüberfalls auf Israel
Stiftungsdirektor Karl Freller Foto SBG / T. Hase
„Jüdisches Leben in Deutschland muss sichtbar und sicher sein“, so Stiftungsdirektor Freller zum Tag der Trauer
Zum dritten Mal jährt sich morgen der Terrorüberfall der Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023. Rund 1.200 Menschen wurden an diesem Tag ermordet, etwa 250 Menschen als Geiseln verschleppt. Der 7. Oktober 2023 war ein beispielloser terroristischer Angriff auf Israel und zugleich ein tiefer Einschnitt für Jüdinnen und Juden weltweit. Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten erinnert an die Opfer und bekräftigt ihre Solidarität mit allen Menschen, die von Antisemitismus und Terror betroffen sind.
„Der 7. Oktober 2023 hat uns schmerzhaft vor Augen geführt, dass jüdisches Leben auch heute nicht selbstverständlich sicher ist. Wir gedenken der Opfer dieses brutalen Terrorangriffs. Aus der Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen erwächst für uns eine besondere Verantwortung: Antisemitismus darf keinen Platz in unserer Gesellschaft haben! Jüdisches Leben in Deutschland muss sichtbar und sicher sein“, erklärt Karl Freller, Stiftungsdirektor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten.
Wie notwendig eine klare Haltung gegen Antisemitismus ist, zeigen die aktuellen Zahlen der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS). Im Jahr 2025 dokumentierten die RIAS-Meldestellen bundesweit 8.725 antisemitische Vorfälle, 68 Prozent davon israelbezogen. Damit blieb das Vorfallgeschehen auf einem seit dem 7. Oktober 2023 deutlich erhöhten Niveau. In den Jahren 2020 bis 2022 hatte RIAS durchschnittlich knapp 2.500 Vorfälle pro Jahr erfasst.
Auch in Bayern ist die Zahl antisemitischer Vorfälle auf einem neuen Rekordhoch. RIAS Bayern dokumentierte 2025 insgesamt 1.551 Vorfälle – nach 1.526 im Jahr 2024. Bei 82,5 Prozent der erfassten Vorfälle wurde israelbezogener Antisemitismus festgestellt. Besonders deutlich nahm die Zahl der dokumentierten Online-Vorfälle zu: Sie stieg von 385 auf 827. RIAS Bayern beschreibt die antisemitischen Ausdrucksformen als zunehmend „enthemmter, bedrohlicher und direkter“.
Auch eine Ende September 2026 veröffentlichte Analyse des Bundesverbands RIAS zu islamischem und islamistischem Antisemitismus: verdeutlicht die Entwicklung seit dem 7. Oktober 2023: Von 564 zwischen 2019 und 2025 dokumentierten antisemitischen Vorfällen mit diesem Hintergrund ereigneten sich knapp 80 Prozent seit dem 7. Oktober 2023. 15 Prozent dieser Vorfälle waren Bedrohungen, Angriffe oder Fälle extremer Gewalt – mehr als doppelt so häufig wie im gesamten von RIAS dokumentierten Vorfallgeschehen.
„Gedenken bedeutet für uns nicht allein, zurückzublicken. Es bedeutet auch, Verantwortung für die Gegenwart zu übernehmen“, betont Karl Freller. „Unsere Gedenkstätten erinnern an die Folgen von Ausgrenzung, Entrechtung und Menschenfeindlichkeit und an die Verbrechen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Gerade deshalb müssen wir heute wachsam sein, wenn jüdische Menschen angefeindet, bedroht oder angegriffen werden.“
Die Stiftung steht mit ihrer Verantwortung für die KZ-Gedenkstätten Dachau und Flossenbürg für eine lebendige Erinnerungskultur und ein entschiedenes Eintreten für demokratische Werte. Sie setzt sich dafür ein, dass aus der Erinnerung konkrete Verantwortung für die Gegenwart erwächst.
