Ausgezeichnet!

Restauriertes ‚Internationales Mahnmal‘ der KZ-Gedenkstätte Dachau erhält den Bayerischen Denkmalpflegepreis 2026 in Gold – „Die Restaurierung bewahrt nicht nur ein Bauwerk“, kommentiert Stiftungsdirektor Karl Freller

Das Internationale Mahnmal, Foto: SBG

Die KZ-Gedenkstätte Dachau ist am Donnerstagabend, 17. September mit dem Bayerischen Denkmalpflegepreis 2026 in Gold in der Kategorie „Öffentliche Bauwerke“ ausgezeichnet worden. Prämiert wurde die Restaurierung der Bronzeplastik des Internationalen Mahnmals. Dr. Dirk Riedel, Wissenschaftlicher Referent, nahm den Preis stellvertretend für die KZ-Gedenkstätte entgegen.

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau verlieh den Bayerischen Denkmalpflegepreis 2026 gemeinsam mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege bereits zum neunten Mal. Mit dem Preis würdigen die Veranstalter das Engagement privater und öffentlicher Bauherren sowie der beteiligten Ingenieurinnen und Ingenieure, die sich in vorbildlicher Weise für den Erhalt denkmalgeschützter Bauwerke in Bayern einsetzen. Die feierliche Preisverleihung fand im Neuen Schloss Schleißheim statt. Die Ausgezeichneten erhielten Urkunden; für die prämierten Bauwerke wurden Ehrentafeln verliehen.

Würdigung durch Politik, Denkmalpflege und Ingenieurwesen

Die Auszeichnungen wurden von Staatsminister Dr. Florian Herrmann, Prof. Dr. Norbert Gebbeken und Dipl.-Ing. (FH) Klaus-Jürgen Edelhäuser, dem Vorsitzenden der Jury, überreicht. Der Bayerische Denkmalpflegepreis wurde in den Kategorien „Private Bauwerke“ und „Öffentliche Bauwerke“ jeweils in den Stufen Gold, Silber und Bronze verliehen. Die Auszeichnung für die KZ-Gedenkstätte entfiel auf Gold in der Kategorie öffentliches Bauwerk.

Die fachliche Begründung der Jury

Die Jury hob in ihrer Begründung die technische Präzision und die Sensibilität des Projekts hervor: „Der Instandsetzung des Mahnmals gingen eine umfangreiche Analyse und Kategorisierung der Risse voran. Darauf aufbauend erfolgte eine ausführliche Modellbildung mit genauer Betrachtung der unterschiedlichen Lastwege. Für die Instandsetzung wurden nicht nur umfangreiche Berechnungen angestellt, sondern es erfolgten auch genaue Betrachtungen zur Verträglichkeit der Materialien. Additive Elemente wurden dabei so eingeplant, dass sie später nicht mehr sichtbar sind. Insgesamt handelt es sich hier um eine äußerst sensible Herangehensweise, durch die das wichtige Denkmal wieder gesichert werden konnte.“

„Die Restaurierung bewahrt nicht nur ein Bauwerk“

Die Auszeichnung würdigte damit sowohl die denkmalpflegerische Qualität der Restaurierung als auch die besondere Bedeutung des Internationalen Mahnmals als zentralen Erinnerungsort der KZ-Gedenkstätte. „Die Restaurierung des Internationalen Mahnmals bewahrt nicht nur ein bedeutendes Bauwerk. Sie erhält einen Ort, an dem die Erinnerung an die Opfer des Konzentrationslagers sichtbar, verbindlich und für kommende Generationen zugänglich, bleibt“, erklärte Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten. Dr. Riedel dankte im Namen der KZ-Gedenkstätte Dachau und der Stiftung allen beteiligten Fachleuten, Planerinnen und Planern sowie den zuständigen Institutionen für ihren Beitrag zur sorgfältigen Instandsetzung.

Das Internationale Mahnmal und seine Restaurierung

Das Internationale Mahnmal auf dem ehemaligen Appellplatz wurde auf Initiative des Comité International de Dachau (CID), der Vereinigung der ehemaligen Häftlinge und ihrer Nachkommen, zwischen 1959 und 1968 realisiert. Ziel des CID war es, einen zentralen Ort zur Erinnerung an alle Opfer des Konzentrationslagers Dachau zu schaffen. Den künstlerischen Entwurf schuf der jugoslawische Bildhauer und Holocaust-Überlebende Nandor Glid (1924–1997). Seine zentrale Bronzeskulptur „Menschen im Stacheldraht“ wurde im September 1968 eingeweiht. Sie bringt das Leid, den Überlebenswillen und die Gemeinschaft der Häftlinge in eindringlicher Weise zum Ausdruck und entwickelte sich zu einem zentralen Gedenkort sowie zu einem international sichtbaren Symbol der Erinnerungskultur. Die zentrale Bronzeskulptur wurde von 2019 bis 2022 umfassend saniert und restauriert. Die Arbeiten begannen im März 2019 und wurden im August 2022 abgeschlossen. Dabei wurden unter anderem Rissbildungen untersucht und behoben, die Skulptur statisch gesichert und die restaurierten Bereiche an die historische Oberfläche angeglichen. Mit der Restaurierung wurde das Internationale Mahnmal als bedeutendes Zeugnis der Geschichte und als Ort des Gedenkens an die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen für die Zukunft bewahrt.

Projektbeteiligte

  • Bauherrin: KZ-Gedenkstätte Dachau, Dachau
  • Verantwortliches Ingenieurbüro: Dipl.-Ing. Mark Böttges Kayser + Böttges Ingenieure und Architekten GmbH, München
  • Gebietsreferent: Dr. Thomas Hermann

Weitere Projektbeteiligte

  • Staatliches Bauamt Freising, Freising
  • Haber & Brandner GmbH, Regensburg
  • Materialprüfanstalt (MPA) der Universität Stuttgart, Stuttgart
  • Büro für Metallrestaurierung Prof. Bernhard Mai, Erfurt