Nachruf auf Hermann (Mano) Höllenreiner
„Eine wichtige Stimme der Sinti und Roma ist verstummt“ würdigt Stiftungsdirektor Karl Freller den Verstorbenen.
Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten trauert um Hermann „Mano“ Höllenreiner. Der Überlebende des nationalsozialistischen Völkermords an den Sinti und Roma ist am Freitag, 16. 10.2026, im Alter von 92 Jahren in Mühldorf am Inn verstorben.
„Mit Hermann ‚Mano‘ Höllenreiner verlieren wir eine wichtige Stimme der Sinti und Roma und einen eindringlichen Mahner gegen das Vergessen. Indem er seine Geschichte mit uns teilte, trug er maßgeblich dazu bei, den nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma und ihr gesellschaftlich viel zu lange verdrängtes Leid fest in unserer Erinnerungskultur zu verankern. Sein Mut und sein Wirken bleiben uns Verpflichtung,“ erinnert Stiftungsdirektor Karl Freller.
Jahrzehntelang konnte Hermann Höllenreiner über das erlittene Unrecht nicht sprechen. Erst im hohen Alter machte er seine Geschichte öffentlich. Als Zeitzeuge berichtete er fortan von Verfolgung, Entrechtung und dem nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma. Vor allem jungen Menschen vermittelte er eindringlich, wohin Rassismus, Ausgrenzung und die Missachtung der Menschenwürde führen können. Damit leistete er einen wichtigen Beitrag zur Anerkennung des gesellschaftlich viel zu lange verdrängten Unrechts an den Sinti und Roma und zur Verankerung ihrer Verfolgungsgeschichte im historischen Gedächtnis.
Beim gemeinsamen Gedenkakt des Bayerischen Landtags und der Stiftung Bayerische Gedenkstätten im Jahr 2019 ließ Höllenreiner seine Erinnerungen durch seine Frau Else vortragen. Diese Worte bleiben unvergessen: „Die junge Generation trägt keine Schuld an den Völkermordverbrechen der Nationalsozialisten, aber wissen und verstehen wollen, was damals geschah, und Verantwortung dafür zu übernehmen, dass sich Derartiges niemals wiederholen kann, das erwarte ich von der heutigen Jugend und den nachfolgenden Generationen.“
Seine Lebensgeschichte wurde 2005 in dem Jugendbuch „Mano. Der Junge, der nicht wusste, wo er war“ (Carl Hanser Verlag) festgehalten. Für sein langjähriges Engagement als Zeitzeuge wurde Hermann Höllenreiner 2013 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten wird Hermann „Mano“ Höllenreiner ein ehrendes Andenken bewahren. Unser tiefes Mitgefühl gilt seinen Angehörigen.
Zur Person
Hermann „Mano“ Höllenreiner wurde 1933 geboren und wuchs in München auf. Im März 1943 deportierten ihn die Nationalsozialisten im Alter von neun Jahren gemeinsam mit seiner Familie nach Auschwitz-Birkenau. Später wurde er in die Konzentrationslager Ravensbrück und Sachsenhausen verschleppt und von seiner Familie getrennt. Nach der Befreiung gelangte der schwer traumatisierte Junge nach Frankreich. Erst Ende 1946 kehrte er zu den überlebenden Angehörigen seiner Familie nach München zurück; später zog er wieder in seine Heimatstadt Mühldorf am Inn. Er heiratete und gründete eine Familie. Spät im Leben berichtete er als Zeitzeuge über das erlittene Unrecht. Er war Delegierter des Zentralrats der Sinti und Roma und des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg und setzte sich unermüdlich gegen das Vergessen ein.

