Stiftungsbericht 2020-2025

GEDENKSTÄTTENARBEIT IN BAYERN 9 ImWaldgebiet Mühldorfer Hart im Landkreis Mühldorf am Inn befand sich einer der größten Außenlagerkomplexe des KZ Dachau. Zwischen 1944 und 1945 mussten hier Tausende KZ-Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen Zwangs- arbeit leisten. Ihr Auftrag war der Bau einer gigantischen unter- irdischen Rüstungsanlage, einer monumentalen Betonkon- struktion, die bis heute imWald sichtbar ist. Viele der KZ-Häft- linge überlebten die Strapazen, die Mangelernährung und die Misshandlungen nicht. Im Jahr 2018 gelang es, die lange übersehenen Orte dieser Zwangsarbeit in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Mit der Einrichtung von Gedenkorten am sogenanntenWaldlager und am ehemaligen Massengrab entstand imMühldorfer Hart erst- mals eine würdige Erinnerungsform. An beiden Orten finden heute regelmäßig Gedenkveranstaltungen und Themenrund- gänge statt, die die Erinnerung wachhalten und in die Gegen- wart tragen. Mit der Erschließung der ursprünglichen Bunkerbaustelle stehen wir heute vor einem weiteren bedeutenden Schritt. Die monumentale Ruine steht noch immer für die menschen- verachtenden Pläne des NS-Regimes und hat sich über Jahr- zehnte als stummer Zeuge imWald erhalten. Damit dieser zu einem sicheren und dauerhaft zugänglichen Erinnerungsort werden kann, waren in den vergangenen Jahren umfangreiche Vorarbeiten notwendig. Zunächst musste das Gelände von Kampfmitteln befreit werden und das gesamte Areal in einem aufwendigen Verfahren in das Eigentum der Stiftung überführt werden. Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten trägt seit mehr als zwanzig Jahren Verantwortung für die zentralen Orte des Erin- nerns in Bayern. Neben den großen KZ-Gedenkstätten Dachau und Flossenbürg gehören dazu heute auch 75 KZ-Friedhöfe und zahlreiche Gedenkorte an ehemaligen KZ-Außenlagern. Die Aufgabe der Stiftung Bayerische Gedenkstätten ist es, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wachzuhal- ten, historische Spuren zu bewahren und Orte der Bildung und Begegnung zu schaffen. Besonders die Zeit der Corona-Pande- mie stellte uns dabei vor neue Herausforderungen: Gedenk- veranstaltungen mussten abgesagt oder digital neu gedacht werden, internationale Begegnungen waren kaummöglich, und dennoch gelang es, die Arbeit an den Erinnerungsorten in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich fortzuführen. Mit neuen Projekten, Investitionen und innovativen Vermittlungs- formen tragen wir heute dazu bei, dass Erinnerung auch für künftige Generationen lebendig bleibt. Im Zentrum stehen dabei die großen Neugestaltungsprojekte in den KZ-Gedenk- stätten Dachau und Flossenbürg. Gerade weil die Erinnerung an die NS-Verbrechen in der Gesell- schaft zunehmend zu verblassen droht, sind Gedenkstätten- arbeit und Bildungsprojekte wichtiger denn je. Ein besonders eindrücklicher Teil dieser Arbeit ist die Beschäftigung mit den ehemaligen Außenlagern der Konzentrationslager Dachau und Flossenbürg. Sie bildeten ein weit verzweigtes Netzwerk von mehr als 200 Orten in Bayern. Oftmals unscheinbar und im heutigen Stadt- oder Landschaftsbild kaum noch sichtbar, waren sie doch Schauplätze von Leid, Gewalt und Tod. Gedenkstättenarbeit in Bayern 2020–2025 Brücken zwischen Vergangenheit und Zukunft Dr. Jascha März, Leitung wissenschaftliche Dienste und Archiv, Stiftung Bayerische Gedenkstätten

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