Stiftungsbericht 2020-2025
GRUSSWORTE 7 Darüber hinaus setzt die Gedenkstätte verstärkt auf kreative Formate, um historische Themen in heutige Diskurse zu über- setzen: Tanz-, Theater- und Filmprojekte erweitern den Zugang zu einer schwierigen Thematik und machen Historisches emotional erfahrbar. Diese Ansätze ergänzen die klassischen Vermittlungswege und eröffnen neue Räume für Dialog und Reflexion. Mit dem Ende des industriellen Abbaus im ehemaligen Stein- bruch des Konzentrationslagers im Frühjahr 2024 und der da- mit verbundenen Erweiterung des Gedenkstättengeländes ent- steht ein neues Experimentierfeld. Hier soll künftig erforscht und erprobt werden, wie Erinnerung, Kunst und Lernen in einem sich wandelnden gesellschaftlichen Umfeld weiterge- dacht werden können. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie sich Erinnerungs- kultur unter veränderten Bedingungen gestalten lässt. Für uns bleibt es Auftrag und Verpflichtung zugleich, die Geschichte dieses Ortes mit neuen Formen der Vermittlung lebendig zu halten und ihre Bedeutung für die Gegenwart erfahrbar zu machen. Die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg wird diesenWeg mit Offen- heit für Neues und Verantwortung für das Bestehende und Alte fortsetzen – im Bewusstsein, dass Erinnerung immer auch Zukunftsarbeit ist. Flossenbürg, Oktober 2025 Prof. Dr. Jörg Skriebeleit Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg Sehr geehrte Damen und Herren, Gedenkstätten an den Orten ehemaliger Konzentrationslager stehen im Spannungsfeld vielfältiger Erwartungen. Sie sind Orte persönlicher Betroffenheit, wissenschaftlicher Forschung, gesellschaftlicher Auseinandersetzung und lokaler Alltäglich- keit. Die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg versteht sich dabei als offenes Forum, das diese Perspektiven aufnimmt, reflektiert und in zeitgemäße Vermittlungsformen übersetzt. Die vergangenen fünf Jahre waren von tiefgreifenden Verän- derungen geprägt. Die Corona-Pandemie stellte nicht nur organisatorische, sondern auch inhaltliche Herausforderungen. Zugleich bot sie den Anlass, das Selbstverständnis und die Arbeitsweisen der KZ-Gedenkstätte neu zu (über-)denken. Der digitaleWandel wurde von uns mit Nachdruck vorangetrieben: Projekte wie die Lernplattform„Keeping Memories. Lebens- geschichten von Gefangenen des KZ Flossenbürg“ und die mit dem DigAMus Award ausgezeichnete Plattform„Research Stories“ machen neue Formen des Zugangs und der Partizi- pation möglich. Sie eröffnen Einblicke in Forschungsprozesse, fördern Transparenz und tragen die Bildungsarbeit über die Grenzen des Ortes hinaus. Auch in der Forschung und Kooperation konnten entscheiden- de Impulse gesetzt werden. Besonders hervorzuheben ist die enge Zusammenarbeit mit der Universität Regensburg, aus der 2022 das Zentrum Erinnerungskultur hervorging, eine bundes- weit einzigartige institutionalisierte Partnerschaft von akade- mischer Forschung und Gedenkstättenarbeit. Hier entstehen neue, interdisziplinäre Perspektiven auf Geschichte, Erinnerung und gesellschaftliche Verantwortung. Ein Meilenstein war zudem die gemeinsame Ausstellung „Die Verleugneten. Opfer des Nationalsozialismus 1933–1945– heute“, die seit Ende 2024 in Deutschland gezeigt wird. Sie widmet sich der lange übergangenen Gruppe der als „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“ Verfolgten und gehört zu den zentralen erinnerungspolitischen Projekten der Gegenwart. Prof. Dr. Jörg Skriebeleit Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg ©Thomas Dashuber
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