Stiftungsbericht 2020-2025

GRUSSWORTE 5 ist die Stiftung derzeit in zielführenden Gesprächen mit der Stadt Dachau. Parallel dazu entwickeln wir innovative Vermittlungsformen: Digitale Angebote schaffen neue Zugänge zur Geschichte – ohne dieWürde der Opfer aus dem Blick zu verlieren und ohne den Besuch der authentischen Orte zu ersetzen. Im Zentrum unserer Arbeit stehen dabei die jungen Menschen. Sie sind die Brücke zwischen dem historischen Gestern und dem demokratischen Morgen. Der Blick zurück vermittelt ihnen historische Kompetenz – der Blick nach vorn befähigt sie zu demokratischem Handeln. Erinnerung ist kein Selbstzweck – sie dient der Gegenwart und der Zukunft. Unser Dank gilt allen, die unsere Arbeit mit Enga- gement und Sensibilität unterstützen: den Mitarbeitenden, den Förderern, den ehrenamtlich Helfenden und allen Besucherin- nen und Besuchern, die sich der Auseinandersetzung mit der Geschichte stellen. Die kommenden Jahre werden entscheidend sein.Wir werden unsere Arbeit fortsetzen – mit Respekt vor der Vergangenheit und Verantwortung für die kommenden Generationen. Wir gedenken.Wir erinnern.Wir handeln. München, Oktober 2025 Karl Freller Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten Sehr geehrte Damen und Herren, Jahre intensiver Arbeit liegen hinter uns – Jahre, in denen sich die Landschaft der Erinnerungskultur grundlegend gewandelt hat. Das Jahr 2025 markiert dabei eine historische Zäsur: 80 Jahre nach der Befreiung der Konzentrationslager werden die Stimmen der Zeitzeugen weniger. Nun tragen wir, die Nach- geborenen, die volle Verantwortung dafür, dass ihre Erinnerun- gen nicht verloren gehen. Diese Verantwortung verstehen wir nicht als Last, sondern als Auftrag: Gedenken ist keine rückwärtsgewandte Nostalgie, es ist eine Zukunftsaufgabe. Jeder Blick zurück ist zugleich ein Blick nach vorn: auf die Gesellschaft, die wir sein wollen, auf dieWerte, die es zu verteidigen gilt, auf die Demokratie, die wir jeden Tag neu erstreiten müssen.Wo früher persönliche Begeg- nungen mit Zeitzeugen die Herzen berührten, müssen heute andere Formate diese emotionale Verbindung schaffen. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung gewinnen die KZ-Gedenkstätten als authentische Orte eine noch größere Bedeutung. Sie sind steinerne Zeugen, die bleiben, wenn die menschlichen Stimmen verstummen. Die Baracken, Appellplät- ze und Mauern sprechen eine Sprache, die keine Relativierung duldet. Sie sind unwiderlegbare Beweise gegen Leugnung und Geschichtsrevisionismus – und zugleich demokratisierende Orte, an denen aus abstrakter Geschichte konkrete Erfahrung wird. Um diese authentischen Orte zu bewahren und als Lernorte für Demokratie zugänglich zu machen, arbeitet die Stiftung Bayeri- sche Gedenkstätten kontinuierlich an ihrer Weiterentwicklung. Schnellen Schrittes gehen wir voran: Der historische Steinbruch Wurmstein in Flossenbürg, Ort schwerster Zwangsarbeit, wird nun in die Gedenkstättenarbeit integriert. ImMühldorfer Hart konnte der Bunkerbogen des ehemaligen Außenlagerkomple- xes in den Besitz der Stiftung überführt werden – hier entsteht ein dritter bedeutender Gedenkort. Und für die Übernahme des ehemaligen sogenannten Kräutergartens des KZ Dachau Karl Freller, MdL Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten ©SBG

RkJQdWJsaXNoZXIy NDM3NDQ=