Stiftungsbericht 2020-2025
4 GRUSSWORTE steinernen Zeugnisse, aber auch durch digitale und innovative Formen der Vermittlung. Die Stiftung hat hier wichtige Impulse gesetzt: In der Gedenkstätte Dachau wurde mit dem Projekt „Lernen am Ort – Lernen vom Ort“ ein Prozess angestoßen, der die pädagogische Arbeit mit und in den Baracken grundlegend neu denkt. Große Teile des ehemaligen Häftlingssteinbruchs Flossenbürg sind bereits jetzt Bestandteil der Gedenkstätte und das lange verwaiste Gebäude der Deutschen Erd- und Stein- werke wird zu einem innovativen Lern- und Gedenkort. Diese und viele weitere Vorhaben wären nicht möglich ohne das herausragende Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – ob in der pädagogischen Arbeit, der Forschung, der Pflege der historischen Stätten oder der Organisation und Begleitung von Besuchergruppen. Die Stiftung und ihre Mit- arbeitenden sorgen dafür, dass die Gedenkstätten lebendige Orte des Erinnerns und Lernens bleiben – Orte, die uns mahnen, aber auch zeigen, wie wertvoll unsere freiheitliche Demokratie und unser Rechtsstaat sind. Die hohe Besucherresonanz ist Ausdruck dieser erfolgreichen Arbeit und belegt das anhalten- de gesellschaftliche Bedürfnis nach Aufklärung und die Bereit- schaft, aus Geschichte und Verantwortung für die Gegenwart und Zukunft zu lernen. München, Oktober 2025 Anna Stolz Bayerische Staatsministerin für Unterricht und Kultus und Stiftungsratsvorsitzende Sehr geehrte Damen und Herren, die Stiftung Bayerische Gedenkstätten trägt eine große Verant- wortung: Sie wahrt und gestaltet die Erinnerung an die Verbre- chen des Nationalsozialismus an zentralen historischen Orten in Bayern – in Dachau und Flossenbürg sowie an den vielen Orten mit KZ-Friedhöfen und großen Außenlagerstandorten. Diese wertvolle Arbeit ist wesentlicher Bestandteil der Erinne- rungskultur im Freistaat. Die vergangenen fünf Jahre haben vielfach vor Augen geführt, wie herausfordernd diese Aufgabe ist. Ab 2020 hat die Corona- Pandemie zu einem drastischen Rückgang der Besucherzahlen geführt und flexibles Handeln erfordert: Neue, digitale Ver- mittlungsformate mussten innerhalb kürzester Zeit entwickelt und umgesetzt werden. Die Befreiungsfeierlichkeiten konnten nur in kleinem Rahmen stattfinden. Besonders der Schutz der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen in hohem Alter hatte höchste Priorität. 2022 begann die russische Föderation einen Angriffskrieg auf die Ukraine – der Krieg kostet unzählige Menschenleben und mahnt uns, die Anstrengungen für Völkerverständigung und Frieden weiterhin hochzuhalten. Die Stiftung hat die Auswir- kungen dieses Krieges unmittelbar gespürt: Viele hochbetagte Überlebende des NS-Terrors sind von den Kämpfen betroffen, Kontakte reißen ab, Feierlichkeiten werden zum Balanceakt, um den Aggressoren keine Bühne zu bieten und gleichzeitig der Opfer und der Befreier aus der Sowjetunion, die oftmals auch Ukrainer waren, würdig zu gedenken. Die Arbeit der Stiftung steht im Zeichen eines tiefgreifenden Wandels: Das Ende des ZweitenWeltkrieges und der Gewalt- herrschaft der Nationalsozialisten liegt nun acht Jahrzehnte zurück. Nur noch wenige Zeitzeuginnen und Zeitzeugen können heute persönlich von den Verbrechen berichten. Damit wächst unsere Verantwortung, die Erinnerung mit Bezug auf die Gegenwart wachzuhalten – durch den Erhalt der Anna Stolz, MdL Bayerische Staatsministerin für Unterricht und Kultus und Stiftungsratsvorsitzende ©StMUK
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy NDM3NDQ=