Stiftungsbericht 2020-2025

©KZ-Gedenkstätte Dachau / G. Hassel Institutionen Guten Abend, sehr geehrte Damen und Herren, zu der heutigen Premiere des Films „Das Konzentrationslager Dachau“ möchte ich Sie ganz herzlich willkommen heißen. Pandemiebedingt und weil sich der Film, den wir gleich sehen werden, immer wieder auf diesen Ort bezieht, haben wir uns auf der ehemaligen Lagerstraße versammelt, die der französische Überlebende Edmont Michelet in Betonung der hier herrschenden Solidarität der Häftlinge als die „Freiheits- straße“ bezeichnet hat. Ganz herzlich begrüßen möchte ich Sie, die Autorinnen und Autoren des Films, Prof. Dr. Clemens vonWedemeyer, Maya Schweizer und Prof. Dr. Benjamin Meyer-Krahmer. Ich freue mich sehr, dass Sie uns im Anschluss an die Vorführung des Films von Ihren Erfahrungen während der Dreharbeiten be- richten werden. Meine Damen und Herren, die Produktion des Überblicksfilms „Das Konzentrationslager Dachau“ steht am Beginn einer langfristig angelegten und umfassenden Neukonzeption der KZ-Gedenkstätte Dachau. Neu konzipierte Ausstellungsbereiche und die Erweiterung um historisch relevante Gebäude werden dabei die Geschichte des historischen Ortes beleuchten. Damit weitet sich der Blick auf diesen Ort, der Friedhof, internationaler Lernort und zeithistorisches Museum zugleich ist. Der Film „Das Konzentra- tionslager Dachau“ der Filmschaffenden Maya Schweizer, Pro- fessor Benjamin Meyer-Krahmer und Professor Clemens von Wedemeyer ist als Einführung in die Geschichte und Topogra- fie des Lagers und in seine Nachgeschichte, zur Vorbereitung eines Gedenkstättenbesuches oder als zusammenfassender Abschluss bei der Nachbereitung eines Rundganges konzipiert. Ein internationales und interdisziplinäres Gremium hat den Entstehungsprozess des Films begleitet. Dr. Gabriele Hammermann Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau Premiere des Dokumentarfilms „Das Konzentrationslager Dachau“ in der KZ-Gedenkstätte Dachau am 20. Juli 2021 Das KZ Dachau, eingerichtet am 22. März 1933 auf dem Areal einer stillgelegten Pulver- und Munitionsfabrik, bestand als einziges Lager während der gesamten zwölf Jahre der NS-Herr- schaft. Es existierte also länger als jedes andere Konzentra- tionslager und diente als Modell für die anderen Konzentra- tionslager. In dem Film werden die historische Entwicklung und die topografische Ausdehnung des Konzentrationslagers Dachau sowie der heutigen Gedenkstätte vermittelt in den Kontext allgemeiner historischer Prozesse eingebunden und auf einer erfahrungsgeschichtlichen Ebene durch Ausschnitte aus Zeitzeugen-Interviews ergänzt, um die Perspektive der Häftlinge in besonderer Weise zu berücksichtigen, sie als Ak- teure zu würdigen. „Wie können wir uns ein Bild davon machen, was hier gesche- hen ist“, so lautet die Leitfrage, die – begleitet von ruhigen und langsamen Kamerafahrten – in den Prozess der Annäherung, der Reflexion einführt. Trotz der zeitlichen Distanz und des zunehmenden generationalen Abstands werden damit Fragen gegenwartsbezogener gesellschaftlicher Relevanz berührt. Verbunden durch eine zurückhaltende Filmsprache werden Quellen aus über 40 Archiven in ihrer Multiperspektivität, zeitlichen Gebundenheit und Komplexität gezeigt, werden der Prozess des Erforschens, aber auch die Grenzen des Begreif- baren beschrieben, die Zuschauenden mit Fragen entlassen. Der Film meidet also jede Form der Überwältigung und schafft einen offenen Raum für das Nachdenken. Was macht diesen Film aus? Die reflektierteWürdigung der vielfältigen Quellen – Zeitzeugenberichte, Fotografien und Filmsequenzen, Artefakte, Pläne, Grafiken und Dokumente – sowie die intensive Auseinandersetzung mit der visuellen Überlieferung der KZ-Geschichte und ihrer Nachwirkungen. Dazu gehört auch der respektvolle Umgang mit den Fotos der von Zwangsarbeit, Hunger und Misshandlungen gezeichneten Überlebenden – Menschen an der Grenze zwischen Leben und Tod. Manche Objekte und historische Fotos führt eine behand- schuhte Kuratorenhand in die Szene ein. Größe, Eigenschaften INSTITUTIONEN | REDEN   217

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