Stiftungsbericht 2020-2025
210 REDEN | INSTITUTIONEN Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass es im Sinne von Dietrich Bonhoeffer wäre, wenn wir heute bei diesem Gedenkakt sagen: Wir mögen unterschiedliche religiöse und kulturelle Hinter- gründe haben.Wir mögen unterschiedliche politische Mei- nungen vertreten. Aber in einem sind wir uns einig: DieWürde des Menschen gilt wirklich für alle. Niemand muss sie sich verdienen oder bestimmte Voraussetzungen dafür aufweisen. Sie kommt jedem und jeder zu. Und dieWürde des Menschen braucht engagierte Anwältin- nen und Anwälte. Der Ort, an dem wir uns heute versammeln, erinnert uns an die Zerbrechlichkeit von gemeinsamen ethi- schen Überzeugungen, die wir für gesichert halten. Sie sind nicht gesichert.Wir müssen immer wieder von neuem dafür eintreten. Die Erinnerung an das Leid, das die systematische Missachtung der Menschenwürde verursacht hat, kann, wo sie uns innerlich erreicht, dazu helfen, immer wieder von Neuem die Motivation für das Engagement für die Menschenwürde heute zu nähren. Deswegen bin ich dankbar für Gedenkakte wie den heutigen. Und deswegen bin ich dankbar dafür, dass wir jetzt gleich LeonWeintraub hören werden, der aus erster Hand seine Erinnerung mit uns teilen wird. Möge uns die Erinnerung an die Vergangenheit helfen, in der Gegenwart und in der Zukunft die Humanität an die erste Stelle zu setzen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! 1 Victor Klemperer, LTI. Notizbuch eines Philologen [1957], Leipzig 1996, S. 21. 2 Christoph Strohm: Dietrich Bonhoeffer (1906–1945), in: Karl J. Hummel/Christoph Strohm (Hg.), Zeugen einer besserenWelt. Christliche Märtyrer des 20. Jahrhunderts, Leipzig 2000, 320–338, hier S. 321. 3 Dietrich Bonhoeffer, Ethik, DBW, 66. Vgl. Ders., Widerstand und Ergebung, DBW 8, 22. 4 Dietrich Bonhoeffer, Berlin 1932–1933, DBW 12, S. 355f. 5 Dietrich Bonhoeffer, Berlin 1932–1933, DBW 12, S. 351f und 358f. Institutionen
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