Stiftungsbericht 2020-2025
Institutionen 196 REDEN | INSTITUTIONEN ©Gemeinde Poing Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Anwesende, als Vertreter der Stiftung Bayerische Gedenkstätten ist es mir ein besonderes Anliegen, heute zu Ihnen sprechen zu dürfen. Hier an diesem Ort des Gedenkens, der Trauer und der Mah- nung. Als Stiftung Bayerische Gedenkstätten ist es unsere zentrale Aufgabe, die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbre- chen wachzuhalten. Dabei geht es allerdings nicht nur um die großen, bekannten Gedenkorte wie Dachau oder Flossenbürg. Es geht auch – und ganz besonders – um die vermeintlich kleinen, oft übersehenen Orte wie mitunter Poing, an denen das Unrecht konkrete Spuren hinterließ. Haben Sie daher vielen Dank für Ihr heutiges – so zahlreiches – Erscheinen. Es ist ein gutes und wichtiges Zeichen, welches damit von Poing ausgeht. Wie wichtig es tatsächlich ist, hat dankenswerterweise mein Vorredner, Herr Bürgermeister Stark, eindrucksvoll unterstri- chen. Die Shoa als in ihrer Dimension und Grausamkeit singuläres Verbrechen in der Menschheitsgeschichte darf nicht in Ver- gessenheit geraten. Dabei geht es allerdings nicht allein um das Erinnern an Vergangenes, sondern um das aktive Erinnern für unsere Gegenwart und Zukunft; dass sich die Verbrechen der Nationalsozialisten nie wieder wiederholen. Dieser Aufgabe müssen wir uns stellen: die Politik, die Gedenk- stätten, die Schulen, Vereine, die gesamte Gesellschaft, jeder einzelne von uns. Nur wenn wir diese Aufgabe als das ver- stehen, was sie ist – ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag –, können wir auch etwas bewegen. Dr. Jascha März Leiter wissenschaftliche Dienste und Archiv der Stiftung Bayerische Gedenkstätten Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Befreiung: Enthüllung von Gedenktafeln in Poing am 27. April 2025 Es ist daher umso wichtiger, heute zu betonen, welche Bedeu- tung die Erforschung und Sichtbarmachung der ehemaligen KZ-Außenlager und deren Räumungen – die sogenannten Todesmärsche und -züge – besitzen.Welche Bedeutung dieser Ort besitzt. Meine sehr geehrten Damen und Herren, dieser Gedenkort besteht seit mehr als 15 Jahren, und viele von Ihnen kommen regelmäßig zu den Gedenkveranstaltungen hierher. Die historischen Ereignisse sind Ihnen wohlbekannt. Und doch müssen wir feststellen, dass allgemein die Erin- nerung an die nationalsozialistischen Verbrechen in vielen Teilen unserer Gesellschaft zu verblassen droht. Dem kann nur Wissen entgegengestellt werden. Poing ist dabei kein isolierter Erinnerungsort. Er ist Teil eines größeren historischen Zusammenhangs. Und es ist offen- kundig! Zu einem würdigen Gedenken an die Opfer gehört auch immer das Wissen über die Verbrechen. Nur wer weiß, was tatsächlich geschah, welches Leid die Menschen durch Verfolgung, Inhaftierung und Zwangsarbeit erlitten, kann die Forderung „Nie wieder!“ auch mit Leben erfüllen. Ich möchte daher an dieser Stelle zumindest eine kurze Dar- stellung des größeren Zusammenhangs dieses Ortes mit dem KZ-System im Ganzen geben. Im Verlauf des ZweitenWeltkrieges setzte das NS-Regime Hunderttausende KZ-Häftlinge in der Rüstungsproduktion ein. Sie sollten den durch erweiterte Einberufungen zur Wehr- macht und die Umstellung der Kriegswirtschaft verursachten Mangel an Arbeitskräften ausgleichen. Um sich dabei der Zwangsarbeit der KZ-Häftlinge möglichst effizient zu bedienen, entstanden anstelle anfänglicher Pro- duktionsbetriebe an den Standorten der Konzentrationslager ab 1943 KZ-Außenlager unmittelbar an den bereits bestehen- den Rüstungsstandorten. Hier mussten KZ-Häftlinge besonders
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy NDM3NDQ=