Stiftungsbericht 2020-2025

194   REDEN | INSTITUTIONEN Institutionen ©KZ-Gedenkstätte Dachau / T. Hase Meine Damen und Herren, Freunde und Partner des Gedenkens, es ist eine Ehre – und zugleich eine tiefgreifende Verantwor- tung – heute hier mit Ihnen zu stehen, genau 80 Jahre nach- dem amerikanische Soldaten die Tore des Konzentrationslagers Dachau durchschritten und jenen die Freiheit gebracht hatten, die fast alle Hoffnung verloren hatten. Im Namen der Vereinigten Staaten von Amerika möchte ich den Vertretern der aktiven Streitkräfte sowie den Veteranen und den Leitern der Veteranenorganisationen, die heute bei uns sind, meinen herzlichen Dank aussprechen – Ihre Anwe- senheit ist eine lebendige Brücke zu dem Heldentum, das wir heute ehren. Mein tiefster Dank gilt auch Direktor Karl Freller und der Stif- tung Bayerische Gedenkstätten, Direktorin Dr. Gabriele Ham- mermann und dem Team der KZ-Gedenkstätte Dachau sowie Präsident Dominique Boueilh und dem Comité International de Dachau. Als Hüter der Erinnerung stellen Sie sicher, dass wir nicht vergessen – denn Vergessen ist niemals eine Option. Heute vor achtzig Jahren – am 29. April 1945 – war es kalt, trotz der hellen Frühlingssonne. In der Nacht zuvor war Schnee gefallen. Soldaten der 42. „Rainbow“-Infanteriedivision, der 45. „Thunderbird“-Infanteriedivision und der 20. Panzerdivision der US-Armee näherten sich diesem Ort. Was sie vorfanden, war unbegreiflich: Auf der Zufahrtsstraße stießen sie auf einen verlassenen Todeszug aus Buchenwald – 39Waggons gefüllt mit den leblosen Körpern von über 2.300 Menschen. Im Lager entdeckten sie 32.000 Überlebende – aus- gemergelt, schwer krank, viele davon nicht mehr zu retten. Das schiere Entsetzen über das, was die Soldaten innerhalb dieser Zäune sahen, stand in krassem Gegensatz zu der male- rischen Stadt Dachau, die sich direkt dahinter befand – einer Stadt, die eine Postkarte zieren könnte. Dieser Kontrast er- schüttert noch heute. Dr. James Miller US-Generalkonsul in München Einweihung einer Gedenktafel zu Ehren der 45. Division der 7. US-Armee in der KZ-Gedenkstätte Dachau am 29. April 2025 Natürlich waren die Soldaten nicht auf das vorbereitet, was sie hier erleben würden. Junge Männer, kaum der Highschool entwachsen. Aus Oklahoma, New Mexico, Colorado, Arizona. Sie waren in den Krieg geschickt worden, um zu kämpfen, nicht um sich mit der Maschinerie des Massenmords auseinander- zusetzen.Was sie sahen, hinterließ bleibende Narben. Manche trugen das Trauma jahrzehntelang still mit sich. Manche spra- chen nie wieder über Dachau. Und dennoch, inmitten des Grauens, dem sie begegneten, brach plötzlich ein Gefühl der Erleichterung hervor. Sie erleb- ten, wie sich bei den Befreiten erste zarte Anzeichen von Freude über die gewonnene Freiheit zeigten – bei jenen, die stark genug waren, sie zum Ausdruck zu bringen. Diese Freude, diese tiefe Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens, gab den Leiden und Opfern der Soldaten Bedeutung. In einem Krieg, der über 400.000 amerikanische Leben gefordert und mehr als 700.000 US-amerikanische Soldaten verwundet hatte, war es die Befreiung des KZ Dachau, die dem Schmerz einen Sinn verlieh. Sie erinnerte sie – und erinnert uns – daran, wofür sie kämpften. Sie hatten den Gefangenen Hilfe, Trost und das Ver- sprechen der Freiheit gebracht. Aber da war auch ein großes Gefühl der Hilflosigkeit. Denn für die 41.500 Menschen, die hier umgekommen waren, kam alle Hilfe zu spät. Und in den Tagen nach der Befreiung starben Hunderte weitere – an Hunger, an Krankheit, anWunden, die zu tief waren, um zu heilen. Während die 42. und die 20. Panzerdivision bereits offiziell mit Gedenktafeln an diesem Ort gewürdigt wurden, hatte die 45. Infanteriedivision der 7. US-Armee – und insbesondere das 157. Infanterieregiment – diese Anerkennung noch nicht erhal- ten. Der heutige Tag vervollständigt das Bild.Wir würdigen den Heldenmut der 45. Infanteriedivision, ihre Opferbereitschaft und ihre entscheidende Rolle bei der Befreiung Dachaus. Wir stehen auch in der Schuld jener, die dieWahrheit doku- mentiert haben. Kriegskorrespondentinnen und -korrespon-

RkJQdWJsaXNoZXIy NDM3NDQ=