Stiftungsbericht 2020-2025
192 REDEN | INSTITUTIONEN ©KZ-Gedenkstätte Dachau Institutionen An alle offiziellen Vertreterinnen und Vertreter in ihren Ämtern und Funktionen, liebe ehemalige Häftlinge, liebe Befreier aus den Vereinigten Staaten, sehr geehrte Nachkommen von Häftlingen und Befreiern, sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter öffentlicher, religiöser und zivilgesellschaftlicher Institutionen, sehr geehrtes Publikum, anlässlich des 80. Jahrestages der Befreiung des Konzentra- tionslagers Dachau freut sich das Internationale Dachau-Ko- mitee sehr, Sie gemeinsam mit Herrn Karl Freller, dem Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, und Frau Dr. Gabriele Hammermann, der Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, begrüßen zu dürfen. Sie sind zahlreich erschienen. Unter Ihnen befinden sich viele Nachkommen von Opfern und Überlebenden aus zahlreichen Ländern. Ganz besonders ehren wir heute die Anwesenheit überlebender Häftlinge und amerikanischer Befreier, begleitet von ihren Angehörigen.Wir freuen uns zudem über die Teil- nahme von Nachkommen ehemaliger Befreier und US-Kämp- fer sowie von Vertretern der 42. und 45. US-Infanteriedivision – aktiv oder im Ruhestand. Im April 1945 war es das gemeinsameWirken dieser Einheiten, das zur Befreiung der Stadt Dachau und schließlich des Kon- zentrationslagers führte. Im Lager kursierten zuvor zahlreiche Gerüchte:Während einige hofften, die Befreiung sei nah, fürch- teten andere eine grausame Evakuierung in den Tod. In dieser angespannten Lage gründete Patrick O’Leray mit den kräftigeren Häftlingen das erste Internationale Häftlingsko- mitee. Ziel war es, im Falle einer versuchten Evakuierung oder Liquidation durch die SS-Wachen, die Sicherheit der Lager- insassen zu gewährleisten. Dominique Boueilh Präsident des Comité International de Dachau (CID) 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau am 4. Mai 2025 Am 30. April, nach der Befreiung des Lagers, entstand eine enge Zusammenarbeit zwischen diesem Komitee und dem US-Kommando zur ersten dringlichen medizinischen Versor- gung der Häftlinge und zur Organisation ihrer baldigen Rück- kehr in die Heimatländer. Doch viele starben noch in den darauffolgenden Tagen an den schwersten körperlichen Folgen ihrer Haft. Am 8. Mai 1945 übernahm Arthur Haulot die Leitung des Komitees von Patrick O’Leray, der nach London musste. Ende Juni 1945 war das Lager weitgehend evakuiert. Es ist ein wunderbarer Moment, wenn sich heute Nachkom- men von Befreiten und Befreiern hier gemeinsam versammeln. So trug vorhin der Enkel von Arthur Haulot das Buch mit den 40.000 Opfern von Dachau und seinen Außenlagern im Ge- denkzug voran. Dank des Engagements des CID erhielt das Gelände des ehe- maligen Konzentrationslagers, das dem Verfall preisgegeben war, im Jahr 1965 den Status einer offiziellen Gedenkstätte. Unter der Verantwortung des Freistaats Bayern hat sich die Gedenkstätte in mehreren Etappen zu dem entwickelt, was sie heute ist – mit über einer Million Besuchern jährlich aus aller Welt. Im Jahr 2003 wurde die Stiftung Bayerische Gedenkstätten gegründet. Sie spielt eine entscheidende Rolle in der Erinne- rungspolitik, die sich an alle Menschen richtet – sowohl für die Gedenkstätte Dachau als auch für Flossenbürg und zuneh- mend auch für die Überreste der Außenkommandos. Ich erlaube mir diesen historischen Rückblick, um den uner- müdlichen Einsatz all derer zu würdigen, die heute hier anwe- send sind – im gemeinsamen Dienst an der Erinnerung gegen- über der größten Tragödie der Menschheit, ausgelöst durch denWahn nationalsozialistischer Überlegenheitsideologien. Ebenso gebührt heute großer Dank allen Teams, die zur Orga- nisation dieser Gedenkveranstaltung beigetragen haben – mit
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