Stiftungsbericht 2020-2025

POLITIK UND GESELLSCHAFT | REDEN   187 hätte nie geschehen dürfen. Da ist irgendetwas passiert, wo- mit wir alle nicht fertig werden.“ Vor den Augen der Weltöf- fentlichkeit rollen die Panzer der Vernichtung auf den Straßen der Ukraine.Wir erleben einen Albtraum von Zerstörung und Terror. Und wieder fragen Kinder:Wie kann die friedliche „Welt“ zuschauen? Deutschland befindet sich in einer schizophrenen Lage: auf der einen Seite der Wille, sich als Lernende aus der Geschichte he- rauszuhalten. Es waren die Eltern und Großeltern, die mit dem Hitler‘schen Vernichtungskrieg dieWelt in die bis dahin größte Katastrophe gestürzt hatten. Die Nachgeborenen haben da- raus als logisches Ergebnis den Friedenspazifismus gezogen. Die einen sagen: Nie wieder Krieg, für nichts und niemanden. Die anderen wollen sich im Schatten von Auschwitz auf keine Appeasementpolitik mehr einlassen, für sie schaffenWaffen Frieden.Wer die Humanität will, muss sie verteidigen.Wer ist also nun der bessere Deutsche in einer Republik, in der der lange Arm der Vergangenheit wie von unsichtbarer Hand gelenkt, einen im moralischenWürgegriff hält? Gegen den befürchteten Dämon des Militarismus steht die unabweisbare Perspektive der Opfer. Bei allen berechtigten Zweifeln muss sie die letzte Instanz sein. „Befreiung“ meint in erster Linie diejeni- ge der Opfer. Sie setzt die Niederlage Hitler-Deutschlands, den Sieg über das NS-Terrorsystem und dessen Vollstrecker voraus. Die Niederlage für die Deutschen, ihre Katastrophe war selbst verschuldet. Den Überlebenden des Holocaust gelang es, nach der Be- freiung mehrheitlich ihren Platz im normalen Leben wieder einzunehmen und nach außen hin zu funktionieren.Welch eine Leistung. Das Weinen aber – um mit einer Zeile aus einem Gedicht Else Laskers zu schließen – ist in der Welt geblieben. „Es ist einWeinen in der Welt.“

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