Stiftungsbericht 2020-2025

176   REDEN | POLITIK UND GESELLSCHAFT ©Bildarchiv Bayerischer Landtag / S. Obermeier Politik und Gesellschaft Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Stiftungsdirektor und Vizepräsident Karl Freller, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen aus dem Parlament, dem Präsidium und den Fraktionen, sehr geehrter Herr stellvertretender Ministerpräsident Joachim Herrmann, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dieter Reiter, sehr geehrte Frau Wężyk , sehr geehrter Herr Doyen Gábor Tordai-Lejkó, viele Nationen sind heute vertreten, insbesondere aus Ländern, in denen der NS-Terror viele Opfer gefordert hat. Sehr geehrter Herr Generalkonsul Ma ł kiewicz, ein herzliches Willkommen gilt unseren polnischen Gästen – es ist uns wichtig, gemeinsam zu gedenken. Eine besondere Ehre ist für uns die Anwesenheit einiger Überlebender und Zeitzeugen, Herr Abba Naor und Herr Ernst Grube, sowie zahlreicher Angehöriger der Opfer, derer wir heute gedenken. Sehr geehrter Herr Dr. Schuster, sehr geehrter Herr Schneeber- ger, Vertreterinnen und Vertreter aus den Kommunen, aus Politik,Wirtschaft,Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft, Vertreterinnen und Vertreter der Religionsgemeinschaften, Vertreterinnen und Vertreter der Verbände und Vereine, Vertreterinnen und Vertreter der Erinnerungsarbeit in Bayern, ich freue mich über so viele Ehrengäste – bitte sehen Sie es mir nach, dass ich Sie nicht alle namentlich begrüße. Sie erweisen den Opfern mit Ihrer Anwesenheit die Ehre. Ich danke Ihnen von Herzen für Ihr Kommen! Und ich begrüße die Musikerin- nen und Musiker des LAVA-Quartetts. Meine sehr geehrten Damen und Herren! „Ein Toter ist eine Tragödie; der Tod von Millionen ist eine Statistik.“ Dieser Satz findet sich mal bei Tucholsky; vielfach Ilse Aigner, MdL Präsidentin des Bayerischen Landtages Gedenkakt für die Opfer des Nationalsozialismus am Ehrenhain I am Friedhof am Perlacher Forst am 25. Januar 2023 wird er Stalin zugeschrieben. Egal, welcher Quelle der zynische Befund entsprungen ist – wir müssen stets achtgeben, dass er nicht wahr wird. Das einzelne Schicksal – es berührt, verstört. Das Schicksal von Millionen – es überfordert, verschwimmt. Umso mehr, je länger es zurückliegt. Der Bayerische Landtag und die Stiftung Bayerische Gedenkstätten, wir haben es uns zum Ziel gemacht, den Opfern des Nationalsozialismus ihren festen Platz in unserem Heute – in unseren Herzen – zu be- wahren.Wir erinnern.Wir gedenken.Wir bekennen uns zu unserer Verantwortung im Heute.Weil wir überzeugt sind: Die Demokratie braucht ein gutes Gedächtnis! In den letzten Jahren haben wir dabei bewusst Schwerpunkte gesetzt. Scheinwerfer gerichtet auf Opfergruppen. Auf das Verbrechen gegen einzelne Menschen. Um dann den Fokus zu weiten – auf das unbegreifliche, übergroße Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Heute gedenken wir am Ehrenhain I – dem Ort der Erinnerung an 3.996 Menschen, die in Konzentrationslagern und „Eutha- nasie“-Tötungsanstalten ermordet wurden. Menschen aus 17 europäischen Ländern – über die Hälfte aus Polen. Wir lesen ihre Namen in dieser Installation. Sie könnten nicht unterschiedlicher sein: Männer, Frauen, Kinder, Juden, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas,Widerstandskämpfer, Kommunis- ten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter, Menschen, die als homosexuell verfolgt wurden, die entmenschlicht wurden, als „asozial“, als „unwert“, Menschen, die nicht in das menschen- verachtendeWeltbild der Nationalsozialisten passten und die schutzlos ausgesetzt waren – der Willkür, der Verfolgung und schließlich dem Massenmord. Fast 4.000 Opfer, die mit ihren Schicksalen für die vielschichti- ge Grausamkeit der NS-Tyrannei stehen. Schätzungen zufolge ermordeten die Nationalsozialisten und ihre Unterstützer et- wa 17 Millionen Menschen. Da sind die 60 bis 65 Millionen

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