Stiftungsbericht 2020-2025

POLITIK UND GESELLSCHAFT | REDEN   173 ©SBG / T. Hase Politik und Gesellschaft Meine sehr geehrten Damen und Herren, sehr geehrter Herr Vorsitzender Freller, sehr verehrte, liebe Frau Staatsministerin Roth, lieber Kollege Professor Dr. Piazolo, meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen aus dem Bayerischen Landtag, lieber Präsident Dr. Heßler, meine sehr verehrten Damen und Herren, seit dem Ende des ZweitenWeltkriegs sind fast 80 Jahre ver- gangen. Das bedeutet für uns: Das Zeitalter der Zeitzeugen, die über Nationalsozialismus und Shoa aus eigener Erfahrung berichten können, geht dem Ende zu. Zeitzeuge zu sein, bedeutet, die Vergangenheit unmittelbar vor Augen zu haben, sie erlebbar zu machen. Je weniger Holo- caust-Überlebende es gibt, die uns ihre Geschichte erzählen können, desto schwieriger wird die Annäherung an das Un- fassbare. Wir müssen Mittel undWege finden, die Erinnerung lebendig zu halten, auch wenn die Stimmen der Zeitzeugen langsam verschwinden. Authentische Gedenkstätten werden vor diesem Hintergrund immer wichtiger. Sie sind Orte der Erin- nerung an die Leiden der Opfer und Lernorte für künftige Generationen. Wir wollen, dass künftige Generationen sich Konzentrations- lager nicht als abstrakte, unwirkliche Schreckensorte aus einer fernen Zeit vorstellen, die man gedanklich schnell „abhaken“ kann – so wie es uns vielleicht mit historischen Ereignissen aus der Antike oder dem frühen Mittelalter geht. Denn die Monstrosität der NS-Verbrechen im „Dritten Reich“ ist zu groß, als dass sie jemals vergessen werden darf. Gedenkstätten dienen auch immer dazu, der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Denn wer sieht, was in der Vergangenheit Dr. Florian Herrmann, MdL Leiter der Staatskanzlei und Bayerischer Staatsminister für Bundesangelegenheiten und Medien Festakt zum 20-jährigen Bestehen der Stiftung Bayerische Gedenkstätten in der Münchener Residenz am 19. Juni 2023 passieren konnte, wer sieht, was Menschen zu tun in der Lage waren, der sieht hoffentlich auch die Gegenwart mit anderen, mit offeneren Augen. Der schaut nicht weg, wo Antisemitis- mus, Rassismus und Nationalismus um sich greifen. Der er- kennt mögliche Parallelen zu den Anfängen, die damals zu den schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte geführt haben. Fast 80 Jahre nach Ende des ZweitenWeltkriegs, 90 Jahre nach Inbetriebnahme des KZ Dachau, haben wir gelernt, uns offen und schonungslos mit den Menschheitsverbrechen der Natio- nalsozialisten auseinanderzusetzen. Geschichte in Bezug zu setzen zur Gegenwart, sie auf ihre Leh- ren hin zu befragen, das macht eine lebendige Erinnerungs- kultur aus. Deshalb hat der Freistaat Bayern am 1. Januar 2003 die Stiftung Bayerische Gedenkstätten gegründet und mit der Trägerschaft der KZ-Gedenkstätten Dachau und Flossenbürg betraut. Wir wollten die Erinnerung an die Verbrechen der National- sozialisten in gesamtgesellschaftliche Hände legen. Die Stif- tung trägt maßgeblich dazu bei, das Wissen über den Natio- nalsozialismus und die Geschichte der Konzentrationslager im öffentlichen Bewusstsein wachzuhalten. Die Gedenkstätten in Dachau und Flossenbürg gehören zu den ganz zentralen erinnerungskulturellen Orten in Bayern. Die vielen Besucher jedes Jahr aus aller Welt beweisen ihre natio- nale und internationale Bedeutung. Zudem verantwortet die Stiftung seit 2013 75 KZ-Friedhöfe und steht bezüglich der über 200 damaligen Außenlager der Konzentrationslager in Kontakt mit örtlichen Behörden und Organisationen. Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle Herrn Landtagsvize- präsidenten, Dir, lieber Charly Freller, der seit 2007 der Stiftung

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