Stiftungsbericht 2020-2025

POLITIK UND GESELLSCHAFT | REDEN   171 ist. Denn durch Erzählungen, durch diese wahrhaften Erzäh- lungen, wird Geschichte lebendig. Deshalb nochmals mein Dank an alle Zeitzeugen und meine Bitte: Tun Sie alles, damit Sie gesund bleiben und diese Arbeit weiter leisten können.Wir brauchen Sie! Sehr, sehr dringend! Dankeschön! Lieber Charly, 2003 wurde die Stiftung Bayerische Gedenkstätten vom Frei- staat Bayern gegründet – als Dachorganisation der Gedenk- stätten Dachau und Flossenbürg, aber auch der Außenlager wie Hersbruck und Mühldorf und der 75 KZ-Friedhöfe in ganz Bayern. Die Stiftung verwaltet diese Orte. Aber sie verwaltet nicht nur: Diejenigen, die in den Stiftungen tätig sind, leben für die Erinnerungsarbeit, tagtäglich: die vielen, die dort Füh- rungen machen, die vielen, die sich tagtäglich um die Gedenk- stätten kümmern. Und einen Großteil dieser Zeit, lieber Stif- tungsdirektor, lieber Charly, leitest Du die Stiftung – insgesamt 16 Jahre. Die Stiftung ist eng mit deinem Namen verknüpft, mit dem Engagement, das wir auch vorher wieder bei Deiner Rede erleben durften. Man merkt, dass Du sehr eng zusam- mengewachsen bist mit dieser Thematik, dass sie Dich um- treibt, tagtäglich. 16 Jahre, das sind in parlamentarischen De- mokratien eine lange Zeit. Selten werden Ämter so lange ver- geben. Umso mehr danke ich Dir für Deine Tätigkeit und auch für die richtigenWorte, die Du findest. Ein großes Dankeschön für die letzten Jahre und alles Gute für die nächsten! Du stehst bei Deiner wertvollen Arbeit nicht allein: 180 Mit- arbeiterinnen und Mitarbeiter hat die Stiftung. Das ist eine große Zahl. Frau Hammermann, Herr Skriebeleit und viele andere sind heute da.Wenn man den Blick in die Runde schweifen lässt, ein – ich weiß nicht, ob man das so sagen kann – Familientreffen. Eine große Familie, die sich tagtäglich der Erinnerungsarbeit widmet, die es sich zur Aufgabe ge- macht hat, das Erbe zu erhalten. Deshalb mein Dank an alle, die hauptberuflich und ehrenamtlich tätig sind. Es ist nicht immer leicht, vor Ort diese Arbeit zu machen und tagtäglich an das Leid erinnert zu werden. Aber es ist von essenzieller Bedeutung. Und es ist besonders wichtig in diesen Tagen. In diesen Tagen, in denen wir wieder Antisemitismus erleben, in einer Art undWeise, wie ich es mir vor einigen Jahren nicht hätte vorstellen können: dass Worte wieder sprechbar sind, dass sich viele in den sozialen Medien trauen, offen und mit Klarnamen Hetze zu betreiben, und dass es leider nicht bei Worten bleibt, sondern in hundertfacher Art undWeise zu Taten kommt. Zu Taten, die wir strafrechtlich verfolgen können, was wir im Freistaat auch konsequent tun. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir heute zusammenkommen, dass wir zusam- menstehen, dass wir im Freistaat Bayern eine entsprechende Strategie aufgesetzt haben und dass wir gemeinsam Zeugen sind, die ganz deutlich machen: „Nie wieder!“. Und zum „Nie wieder“ gehört – „auch jetzt nicht!“ Wir stehen zusam- men gegen Antisemitismus! Dankeschön an Sie alle. Natürlich ist es dann auch notwendig, etwas zu tun. Der Er- innerungsprozess wird Geld kosten und fordert die Stiftung gewaltig: der Steinbruch in Flossenbürg, der Kräutergarten in Dachau, auch die Relikte der Außenlager.Wir haben viel vor! Wir wollen die nächsten zehn Jahre und darüber hinaus zu einem Jahrzehnt des Gedenkens machen. Da gibt es sehr viel zu tun. Neun von zehn Euro, die der Stiftung heute zur Verfügung gestellt werden, kommen vom Freistaat Bayern. Aber der Bund engagiert sich auch sehr intensiv seit vielen Jahren. Vielen Dank, Frau Staatsministerin! Danke für dieWorte, die Sie ge- sprochen haben. Danke auch für die Mitarbeit in der Stiftung, wo wir seit vielen Jahrzehnten eng zusammenwirken. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass Sie heute da sind. Man kann zwar sagen: eine Selbstverständlichkeit an einem solchen Tag. Aber es ist auch ein Zeichen, dass wir gemeinsam stehen, dass wir gemeinsam Verantwortung zeigen, dass wir gemeinsam bei unseren Finanzministern und dem Kabinett für die Erinne- rungsarbeit werben und dass wir gemeinsam Erfolg haben werden und Geld und Ideen aufbringen, um die Gedenkstätten zu erhalten und zu erneuern. Auch die Erneuerung der Aus- stellung werden wir gemeinsam in Angriff nehmen. Deshalb bin ich sehr froh, dass wir heute dieses Zeichen gemeinsam senden. Dankeschön an den Bund und den Freistaat Bayern! Es ist mehrfach schon erwähnt worden, dass wir in einer Zeit leben, in der Gedenken wichtig ist, in der aber auch das Zei- chensetzen wichtig ist. Und deshalb ist für uns ganz entschei- dend, dass wir unsere Schülerinnen und Schüler auf diesem Weg mitnehmen. Sie sind die Zukunft unserer Gesellschaft, sie sind die Hoffnungsträger. Ich habe mich – und das sage ich hier ganz persönlich – sehr geärgert, dass in den letzten Tagen, Wochen, Jahren über die Schülerinnen und Schüler von einer „verlorenen Generation“ gesprochen wurde, gerade auch mit Blick auf Corona. Häufig wurde gefragt:Was können sie noch? Was wissen sie noch? Wo sind überall die Defizite?

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