Stiftungsbericht 2020-2025
Politik und Gesellschaft 170 REDEN | POLITIK UND GESELLSCHAFT ©SBG / T. Hase Sehr geehrte Frau Staatsministerin Roth, sehr geehrter Herr Staatsminister Herrmann, lieber Florian, sehr geehrter Herr Direktor Freller, lieber Charly, sehr geehrter Herr Naor, Herr Grube, liebe Zeitzeugen, sehr geehrte Frau Knobloch und Herr Schuster, meine sehr verehrten Damen und Herren! Sie werden wahrscheinlich verstehen, dass nicht alles, was ich jetzt sage, neu ist am heutigen Abend. Denn wir alle reden über die Stiftung Bayerische Gedenkstätten. Das eine oder andere wiederholt sich, wenn auch mit anderenWorten. Sie werden aber wahrscheinlich auch verstehen, dass ich als Kultusminister gar nichts dagegen habe, wenn sich das ein oder andere wiederholt.Wiederholung ist ein pädagogisches Prinzip, das wir auch unseren Schülerinnen und Schülern an- gedeihen lassen und das Wirkung zeigt – im günstigsten Fall. Unser Freistaat Bayern ist ein Land, in dem es herausragende Denkmäler gibt wie die Residenz – dieser wunderschöne Ort, an dem wir heute zusammenkommen. Zu unserem histori- schen Erbe gehört aber nicht nur das Schöne der bayerischen Geschichte, sondern auch das Erinnern an die dunklen Stun- den. Und genau das tun wir an so bedeutsamen Orten wie Dachau und Flossenbürg. Jährlich kommen über eine Million Menschen an diese beiden Gedenkstätten. Eine ungeheure, eine beeindruckende Zahl! Wir werden – auch mit unseren Vorhaben in den nächsten Jahren – alles dafür tun, dass es nicht weniger Besucherinnen und Besucher werden, sondern mehr. Ich bin der tiefen Über- zeugung, dass jeder sich diese oder vergleichbare Orte an- schauen sollte. Deshalb ist es unser und auch mein persön- liches Anliegen, dass wir Schülerinnen und Schülern Gedenk- stättenbesuche nicht nur ermöglichen, sondern dass wir sie dazu auffordern. Jede Schülerin und jeder Schüler soll in Bayern während der Schullaufbahn mindestens einmal einen Prof. Dr. Michael Piazolo, MdL Bayerischer Staatsminister für Unterricht und Kultus und Stiftungsratsvorsitzender Festakt zum 20-jährigen Bestehen der Stiftung Bayerische Gedenkstätten in der Münchener Residenz am 19. Juni 2023 Gedenkort besuchen. Gerade in der Zeit, in der die Zeitzeugen weniger werden, werden Gedenkstätten und Erinnerungs- arbeit noch wichtiger. Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir sind heute zusammengekommen, um zwei Jahrzehnte Erinnerungsarbeit zu feiern. Nach dem ZweitenWeltkrieg war es ein langer Weg bis zur Gründung der Stiftung Bayerische Gedenkstätten. Zuerst dominierten im Nachkriegsdeutschland das Verdrängen und das Verstecken, teilweise sogar das Selbst- mitleid. Es bestand sogar die Gefahr, dass in den Gedenkstätten sprichwörtlich Gras über die Vergangenheit wächst. Es waren dann die wenigen Überlebenden, die sich der Erin- nerung angenommen haben. Deshalb ist es das Verdienst der Opferverbände und der zivilgesellschaftlichen Initiativen, dass es heute diese Erinnerungsorte gibt. Sie waren, im wahrsten Sinne des Wortes, Graswurzelbewegungen. Deshalb mein Dank an all diese Initiativen, die das Erinnern damals möglich gemacht haben und die es heute möglich machen. Sonst wäre vieles untergegangen. Ich danke allen, die zu Anbeginn an dieser Stelle standen und die Erinnerung bis heute, lieber Herr Naor, lieber Herr Grube, weitertragen. Vielen Dank für Ihre Arbeit, die Sie tagtäglich leisten oder geleistet haben, über viele Jahrzehnte hinweg. Dankeschön! Ganz besonders dankbar bin ich für die Auftritte an unseren Schulen und vor Schulklassen.Wenn Schulklassen nach Dach- au oder Flossenbürg gehen, dann ist das beeindruckend, dann spürt man Geschichte. Aber es ist für alle Schülerinnen und Schüler von besonderer Bedeutung, wenn sie die Gelegenheit haben, Zeitzeugen zu erleben.Wenn sie diejenigen erleben, die in den Lagern gelitten haben, die darüber berichten können. Es gibt heute immer weniger Zeitzeugen. Deshalb ist es uns ein solches Herzensanliegen, dass sie diese Arbeit weiterleisten, dass sie in die Schulen gehen und den Schülerinnen und Schü- lern vermitteln, was in den Konzentrationslagern geschehen
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