Stiftungsbericht 2020-2025
Politik und Gesellschaft 168 REDEN | POLITIK UND GESELLSCHAFT ©KZ-Gedenkstätte Flossenbürg / T. Dashuber Mit der heutigen Gedenkveranstaltung erinnern wir an den 79. Jahrestag der Befreiung des KZ Flossenbürg – wir gedenken der Befreiung, aber vor allem gedenken wir des unfassbaren Leids, das unter den Nationalsozialisten hier und in ganz Euro- pa über Jahre geschehen ist.Wir wollen und müssen dieser Ereignisse gedenken, daran erinnern und mahnen – nicht nur für die vergangenen, sondern insbesondere auch für jetzige und kommende Generationen. Wir gedenken heute der Befreiung des KZ Flossenbürg am 23. April 1945. An diesem Tag wurden 1.500 Gefangene durch amerikanische Soldaten befreit und erlöst, von denen viele diesen Tag kaum überlebt haben, in so schlechter Verfassung waren sie. Eine Befreiung, die die meisten der hier Inhaftierten gar nicht erleben konnten, weil sie sich bereits auf Todesmär- schen durch Bayern befanden oder schon längst umgekom- men waren. Hier in Flossenbürg haben die Gefangenen unter schwersten Bedingungen Fronarbeit geleistet. Hier sind Menschen verhun- gert, erfroren oder willkürlich ermordet worden. Insgesamt haben an die 100.000 Menschen in Flossenbürg und seinen Außenlagern Unvorstellbares durchlebt, 30.000 sind umge- kommen. Flossenbürg war Zentrale für ein Netzwerk von La- gern vonWürzburg bis Prag und Teil einer Vernichtungsma- schinerie, die historisch beispiellos war. Juden, Sinti und Roma, widerständige Christen und andere aus rassistischen oder politischen Gründen Verfolgte – wir geden- ken heute aller Opfer, die dieses Lager und seine Außenlager gefordert haben. Zusammen mit den Millionen von Opfern, die eine schreckliche Ideologie in einem totalitären faschistischen System zu verantworten hat. 79 Jahre sind seither vergangen – seit diesem dunkelsten Kapitel unserer deutschen Geschichte, das in seiner Ungeheuerlichkeit immer weniger greifbar und schwerer zu begreifen ist, je länger diese Zeit zurückliegt. Albert Füracker, MdL Bayerischer Staatsminister der Finanzen und für Heimat 79. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Flossenbürg am 21. April 2024 1947 entstand eine erste Gedenkstätte, aber nach Jahrzehn- ten des Verdrängens und Vergessens wird erst seit Mitte der 1990er Jahre hier in Flossenbürg tiefgründige Forschungs- und Erinnerungsarbeit geleistet und der Opfer angemessen gedacht. Das geschieht eindrucksvoll durch den Ort selbst, ebenso wie mit wissenschaftlicher Aufarbeitung, Publikatio- nen, Dauer- und Sonderausstellungen und pädagogischen Angeboten. Insbesondere aber anhand vieler, sehr persönlicher Einzelschicksale. Damit werden Besucherinnen und Besucher jeden Alters an die Geschichte des Konzentrationslagers, seiner Opfer und den historischen Kontext herangeführt. Besonderer Dank gebührt hier dem langjährigen Leiter der KZ-Gedenkstätte Prof. Jörg Skriebeleit und seinen Mitarbeite- rinnen und Mitarbeitern. Sie leisten mit hoher Qualifikation und hohem Engagement einen Dienst an der Geschichte eben- so wie einen Dienst an der Gesellschaft. Davon konnte ich mich seit Jahren persönlich immer wieder aufs Neue überzeugen. Es ist eine ebenso bedeutende wie schwere Tätigkeit. Sie alle arbeiten in dem Bewusstsein, zu etwas besonders Wichtigem beizutragen. Und doch muss das, womit Sie sich Tag für Tag auseinandersetzen, für jeden von Ihnen auch eine ungeheuer schwere Aufgabe sein. Für diesen besonderen Dienst für unse- re Heimat und uns alle gebühren Ihnen großer Respekt und Anerkennung. 79 Jahre sind seit dem Ende des ZweitenWeltkriegs, dem Ende des NS-Regimes vergangen, und die meisten Zeitzeugen weilen nicht mehr unter uns. Fast acht Jahrzehnte lang haben Menschen davon berichtet, was sie mit eigenen Augen gese- hen, am eigenen Leibe erfahren haben, was mit ihren Familien, Freunden und Nachbarn geschehen ist. Das war sehr bewe- gend, hatte eine große Kraft. Doch was heißt für uns das Ende dieser Ära der Zeitzeugen? Sind die Gräueltaten im KZ Flossenbürg und die Verbrechen des Nationalsozialismus längst vergangene Zeiten? Kann Ver-
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