Stiftungsbericht 2020-2025

166   REDEN | POLITIK UND GESELLSCHAFT ©KZ-Gedenkstätte Dachau / G. Hassel Politik und Gesellschaft Sehr geehrter Herr Boueilh, sehr geehrter Herr Naor, sehr geehrter Herr Freller, sehr geehrter Herr Hartmann, sehr geehrte Frau Bering, sehr geehrte Frau Dr. Hammermann, meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich danke Ihnen, dass Sie so zahlreich zum heutigen Gedenkakt gekommen sind. Der 79. Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau ist für uns alle ein wichtiger Tag:Wir gedenken der rund 41.000 Menschen, die hier im Lager zu Tode gequält wurden. Und wir gedenken derer, die im KZ Dachau so unaussprechliches Leid erlitten haben. Gleichzeitig erinnern wir uns voller Dankbarkeit an die Befrei- ung des Lagers durch die amerikanischen Soldaten. Das Leiden der Opfer, der Mut der Befreier und der Einsatz der Überleben- den, die seither die Erinnerung wachhalten, sind uns Mahnung und Auftrag zugleich! Sehr geehrte Damen und Herren! Der unvergessene Max Mannheimer hat bei seinen vielen Zeitzeugengesprächen an unseren Schulen zu den jungen Menschen gesagt: „Ihr seid nicht für das verantwortlich, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon.“ Diese Verantwortung tragen wir alle – heute mehr denn je. Denn Angriffe auf unsere Demokratie sind nur allzu präsent: Rechtsextremisten schmieden in Deutschland Pläne für die Vertreibung von Menschen mit Migrationsgeschichte. Abge- ordnete müssen sich wegen des Verdachts der Volksverhet- zung vor Gericht verantworten. Und seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel sind die antisemitischen Vorfälle in unserem Land nochmal sprunghaft angestiegen. Anna Stolz, MdL Bayerische Staatsministerin für Unterricht und Kultus und Stiftungsratsvorsitzende 79. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau am 5. Mai 2024 Umso mehr müssen wir die jungen Menschen stark machen gegen solche Irrwege und solchen Hass. Das ist unser Auftrag aus der Geschichte und unsere historische Verantwortung. Bildung ist der Schlüssel für eine starke Demokratie. Und für starke junge Menschen, die selbstbewusst durchs Leben gehen und sich einsetzen für Werte wie Freiheit, Toleranz und Mit- menschlichkeit. Deshalb stärken wir im Freistaat die politische Bildung und die Extremismus-Prävention an unseren Schulen: mit unseren Re- gionalbeauftragten für Demokratie und Toleranz, mit unserem Gesamtkonzept gegen Antisemitismus, mit der Ausbildung von jugendlichenWertebotschafterinnen und -botschaftern, mit der neuen Verfassungsviertelstunde und mit einer Erinne- rungskultur, die ein lebendiger Teil des Unterrichts ist. Im Koalitionsvertrag haben wir vereinbart, dass alle Schülerin- nen und Schüler in ihrer Schulzeit mindestens einmal eine Gedenkstätte besuchen sollen, die an die Verbrechen der NS-Zeit erinnert. Dafür will ich künftig die Zuschüsse zu den Fahrten zu den KZ-Gedenkstätten verdoppeln. Ich danke an dieser Stelle unseren Lehrkräften, die ihren Schülerinnen und Schülern die bayerischen Gedenkstätten nahebringen. Diese Besuche bieten jungen Menschen tiefgehende Lernerlebnisse und stärken die Erinnerungskultur in unserem Land. Mit unserem Gesamtkonzept zur Erinnerungsarbeit fördern wir systematisch den Erhalt und dieWeiterentwicklung der wichtigsten Täter- und Opferorte bei uns in Bayern. Damit hal- ten wir die Erinnerung wach, wir stärken unsere rechtsstaat- liche Identität und unsere wehrhafte Demokratie. Die Gedenkstätte Dachau nimmt dabei einen ganz zentralen Platz ein: Das KZ Dachau steht für alle Phasen des national- sozialistischen Terrors – von den ersten Lagern bis hin zu den mörderischen Jahren 1944/45. Dachau ist bei uns im Freistaat – aber auch weit darüber hinaus – zur Chiffre geworden für das menschenverachtende und mörderische NS-Regime.

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