Stiftungsbericht 2020-2025
NACHKOMMEN | REDEN 151 Die Geschichte verändert sich. Nicht wortwörtlich, aber die Art undWeise, wie wir die Geschichte erzählen, ändert sich. Flossenbürgs Platz in der Geschichte verändert sich. Der Ein- fluss der Geschichten von all den Menschen, die hier gefangen gehalten wurden, ändert sich. Das Vermächtnis, das wir weiter- tragen, verändert sich. Die Gedenkfeierlichkeiten ändern sich. Der Inhalt der heutigen Zeremonie unterscheidet sich von dem des letzten Jahres. Ich bin kein Opfer. Nichtsdestotrotz ist diese Geschichte ein Teil von mit geworden. Ich habe einenWeg gesucht, die Ver- gangenheit und die Gegenwart miteinander zu verbinden. Was Antoon vor 80 Jahren angetan wurde, ist mittlerweile anerkannt worden. Ich habe versucht, den breiteren Kontext der Geschichte mit meiner Familiengeschichte in Verbindung zu bringen. In Chemnitz wurde Antoons Name ihm von dem Regime genommen, in Chemnitz habe ich ihn ihm zurückge- geben. Flossenbürg hat tiefe, bleibende Spuren im Leben meines Großvaters hinterlassen. Ich habe gesehen, wie eng verbunden die Gemeinschaft in Flossenbürg heute ist, die Familie, zu der sie geworden ist. Genau diese Gemeinschaft hat mich gebeten, hier, in Flossenbürg, von meinem Großvater Toon zu erzählen. Ich bin dankbar, dass ich endlich dieses Kapitel für ihn, für Antoon, abschließen kann. * Jörg Skriebeleit, Anmerkung der Redaktion
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