Stiftungsbericht 2020-2025
144 REDEN | ÜBERLEBENDE UND BEFREIER Videobotschaft am 29. April 2021 ©KZ-Gedenkstätte Dachau Überlebende und Befreier Hallo! Ich bin George Legmann, der Sohn von Iosif und Elisabeta Legmann. Ich wurde am 8. Dezember 1944 in Kaufering, einem Außen- lager des KZ Dachau, geboren. Meine Mutter wurde schwanger aus Cluj Napoca/Koloszvar/Klausenburg deportiert. Aufgrund des Wiener Schiedsspruches vom August 1940, als Ungarn der deutschen Achse beitrat, wurden die Grenzen geändert und Cluj Napoca, ehemals rumänisches Territorium, wurde unga- risches Territorium. Die Deportation wurde von ungarischen Soldaten unter dem Kommando von Admiral Miklos Horty ausgeführt. Als meine Mutter zusammen mit ihrer Mutter, meiner Groß- mutter Regina, meinem Großvater mütterlicherseits Moïse und meinem 16-jährigen Onkel Alexandre im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ankam, befahlen die Nazisoldaten, dass die älteren und schwangeren Frauen nach links gehen sollten, die anderen nach rechts. Mein Großvater und mein Onkel waren bereits von der Familie getrennt und wurden direkt in die Gaskammer gebracht. Meine Mutter sagte dann zu ihrer Mutter: Du bist nicht alt, und ich bin nicht schwanger und wir gehen mit der Mehrheit. Dank ihrer Intuition undWeitsicht gewannen sie die erste Schlacht, während diejenigen, die nach links gingen, direkt in die Gaskammer gingen. Sie wurden zu Zwangsarbeit in das KZ Landsberg geschickt und dann nach Kaufering gebracht, wo ich geboren wurde und wo meine Mut- ter den anderen sechs Müttern bei ihren Entbindungen half. Wir sind nur sieben jüdische Kinder, die im KZ geboren wurden und überlebt haben. Es ist ein einzigartiger Fall in der Ge- schichte des Holocaust. 1,5 Millionen jüdische Kinder wurden während des Krieges von den Nazis ermordet. Der Krieg endete mit dem Einmarsch der sowjetischen Truppen in Berlin am 27. Januar 1945 und der alliierten Truppen unter dem Komman- do von General Eisenhower am 29. April 1945 in Dachau, dem ersten Konzentrationslager der Welt. George Legmann 76. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau am 29. April 2021 Im September 1945 kehrten wir über Wien nach Cluj Napoca zurück, jetzt wieder rumänisches Gebiet. InWien fanden wir meinen Vater, der von den Sowjets gefangen genommen worden war, als er versuchte, den Nazis zu entkommen. Mein Onkel hatte sich bereits 1946 in São Paulo, Brasilien, niederge- lassen, und so konnte er uns helfen, hierher zu kommen. 1947 wurde das kommunistische Regime in Rumänien gegründet, und Brasilien brach die diplomatischen Beziehungen ab bis 1960, als die diplomatischen Beziehungen zwischen den bei- den Ländern wieder aufgenommen wurden. In einer Geste des gutenWillens lud Brasilien 50 Familien ein, hierher zu kommen und hier zu leben. Ich war 16, als ich mit meinen Eltern und meiner Schwester in Brasilien ankam. Ich habe Irene Schindler geheiratet, und wir haben eine wunderbare Familie gegründet, haben zwei Kinder, Ariel und Alexandre, Schwiegertöchter und ein Enkel ist unter- wegs.Wir haben überlebt! Und jetzt bin ich hier als einer der jüngsten Überlebenden und ein lebendiges Zeugnis dieser ungeheuerlichen Barbarei, die die Menschheit noch nie erlebt hatte, und erinnere daran, dass wir den Holocaust nie- mals vergessen dürfen. Bewahrt Demokratie und Frieden! Am Israel Chai! (Das Volk Israel lebe!) Möge Gott Euch alle segnen! (Übersetztes Transkript der Video-Grußbotschaft) George Legmann wird am 8. Dezember 1944 im Außen- lager Kaufering I des KZ Dachau geboren. Seine Mutter leistet Zwangsarbeit im KZ-Außenlagerkomplex Kaufe- ring. Er ist eines von sieben Kindern, die im KZ-Außen- lager Kaufering I geboren werden und überleben. Heute lebt er in Brasilien.
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy NDM3NDQ=