Stiftungsbericht 2020-2025

ÜBERLEBENDE UND BEFREIER | REDEN   143 Videobotschaft am 29.4.2021, ©KZ-Gedenkstätte Dachau Überlebende und Befreier Zuerst möchte ich einen Gruß an die Direktorin der Gedenkstätte Dachau, Frau Dr. Hammermann, und an die Referentin Stefania richten. Ich heiße Mario Candotto, ich bin in Porpetto (Italien) am 2. Juni 1926 geboren. Ich bin 94 Jahre alt. Ich lebe in Ronchi dei Legionari. Ich bin zusammen mit meiner ganzen Familie deportiert worden; wir Männer nach Dachau, die Frauen nach Auschwitz. Heutzutage über die Konzentrationslager zu sprechen, wirkt fast unglaubwürdig.Weil es so unglaublich schwierig ist, anderen Menschen zu erklären oder zu vermitteln, was wir er- litten haben und ertragen mussten. Es ist sehr schwer. Wir behalten uns unsere Erinnerungen, aber wir vergessen nicht! Man darf nicht vergessen! Ich wiederhole mich. Daher wurde der Tag des Gedenkens geschaffen, um unsere Erinne- rungen wachzuhalten: Der Tag der Befreiung von Auschwitz, der 27. Januar 1945, als das Konzentrationslager von russischen Truppen befreit wurde. Hier in Ronchi dei Legionari gedenken wir unserer Gefallenen. 158 Dorfbewohner wurden deportiert, ungefähr die Hälfte von ihnen ist nicht mehr zurückgekommen.Wir gedenken auch des 24. Mai 1944, als ich zusammen mit circa 70 Dorfbewohnern verhaftet wurde. Ich wurde zusammen mit meiner ganzen Familie verhaftet. Leider sind vier – meine beiden Brüder, die Partisanen waren, und meine Eltern – nicht mehr zurückge- kommen. Dies ist eben meine Tragödie. Als ich nach Hause zurückkam – meine Schwester hat uns ins Haus begleitet – haben wir uns alle angeschaut; und wir waren verstummt und fanden keineWorte.Wir waren alle drei regelrecht verlassen; ich war gerade achtzehn Jahre, meine Schwester Ida siebzehn und meine Schwester Fede drei- oder vierundzwanzig. Mario Candotto 76. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau am 29. April 2021 Stellen Sie sich das vor:Wir waren noch so jung. Als ich ins Haus kam, waren wir alle trostlos. Dann hat meine Schwester Fede die Initiative ergriffen und uns gesagt: „Leute: Das Leben geht weiter“. (Übersetztes Transkript der Video-Grußbotschaft) Mario Candotto wird 1926 in Italien geboren. Nach einer Denunziation wird die gesamte Familie Candotto am 24. Mai 1944 verhaftet. Mario und sein Vater werden im KZ Dachau inhaftiert. Mario Candotto verstirbt am 29. Juli 2025 im Alter von 99 Jahren.

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