KZ-Außenlagernetz

Bereits kurz nach der Errichtung der ersten Konzentrationslager mussten die Häftlinge auch außerhalb des eigentlichen Lagergeländes Zwangsarbeit leisten. Bald entstanden erste Außenlager, in denen die Häftlinge dauerhaft untergebracht waren. Die meisten dieser Lager dienten zunächst der SS.

Ab 1942 entwickelte sich zunächst langsam, dann immer rascher ein weit verzweigtes Außenlagernetz. Die deutsche Rüstungsindustrie setzte vermehrt KZ-Häftlinge ein. Immer häufiger wurden die Produktionsstätten durch alliierte Luftangriffe zerstört. Als Gegenmaßnahme plante die NS-Führung, die gesamte Industrie in bombensichere Bunker und unterirdische Fabriken zu verlagern.Der eigens dazu gegründete „Jäger-Stab“ (später „Rüstungs-Stab“) setzte für die notwendigen Bauarbeiten Zehntausende von KZ-Häftlingen ein.

Die beiden großen Außenlager-Komplexe des KZ Dachau, Mühldorf und Landsberg/Kaufering, entstanden in diesem Zusammenhang, ebenso der zweitgrößte Außenlager-Komplex des KZ Flossenbürg in Hersbruck/Happurg. Auf diesen Großbaustellen waren die Lebensbedingungen der Häftlinge besonders schlecht: Die Lager waren primitiv eingerichtet, die Gefangenen der Witterung ausgesetzt. Hunger und Schikanen waren die Regel, die schwere körperliche Arbeit mörderisch. Arbeitsunfähigkeit bedeutete den sicheren Tod.

Voraussetzung für die rasche Zunahme der Außenlager war die stark steigende Zahl an KZ-Häftlingen: Ab dem Sommer 1944 wurden jüdische Häftlinge aus Ungarn ins Reichsgebiet deportiert. Nach dem Warschauer Aufstand wurden Tausende Polen verschleppt. Vor der heranrückenden Roten Armee wurden Konzentrationslager im besetzten Polen geräumt; dadurch gelangen vor allem jüdische Häftlinge in KZ-Außenlager. Im Frühjahr 1945 befanden sich wesentlich mehr Häftlinge in Außenlagern als in den Hauptlagern.

Kurz vor Kriegsende wurden viele Außenlager geräumt, damit die Häftlinge den Alliierten nicht in die Hände fielen. Allein in Bayern starben Tausende von ihnen auf  Todesmärschen und in Zugtransporten an Entkräftung, durch die Gewalt des Wachpersonals oder bei Fliegerangriffen.

Das Konzentrationslager Dachau hatte während seines Bestehens 140 Außenkommandos und Außenlager vor allem in Südbayern, am Bodensee und Österreich (vor allem in Tirol). Der Großteil befand sich einerseits im Großraum München sowie westlich im Raum Schwaben, dem Bodenseegebiet und in der Region um Landsberg/ Kaufering.
Die knapp 90 Außenlager des KZ Flossenbürg verteilten sich auf das nördliche Bayern, Süd-Sachsen und den Norden der heutigen Tschechischen Republik.

An einigen Orten erinnern Gedenksteine, Grabstätten und Informationstafeln an die KZ-Außenlager. Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten hat 2016 einen Dokumentationsort in Hersbruck/ Happburg eröffnet. 2018 wurde eine Dokumentationsstätte im Mühldorfer Hart, am ehemaligen Waldlager sowie am Massengrab, eröffnet. Für den ehemaligen KZ-Außenlager-Komplex in Landsberg/ Kaufering wurde eine von der Stiftung im Jahr 2015 in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie erstellt. Gemeinsam mit privaten Initiativen, Vereinen, Kommunen und politischen Vertretern vor Ort wird an einem Dokumentations- und Erinnerungskonzept für die Region gearbeitet.

 

Informationen zu den ehemaligen Außenlagern des KZ-Dachau auf der Webseite der KZ-Gedenkstätte Dachau

Informationen zu den ehemaligen Außenlagern des KZ-Flossenbürg auf der Webseite der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

Machbarkeitsstudie für ein Erinnerungs- und Dokumentationskonzept in Landsberg/ Kaufering

Flyer zum Erinnerungs- und Dokumentationsort in Mühldorf am Inn

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