Länderübergreifender Holocaustgedenkakt in Tschechien

Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten und der Bayerische Landtag haben am 27. Januar 2017 erstmals außerhalb der Landesgrenzen der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.
Länderübergreifender Holocaustgedenkakt in Tschechien

© Dr. Erika Tesar

In Leitmeritz, unweit von Theresienstadt, befand sich das größte Außenlager des KZ-Flossenbürg. Zwischen Sommer 1944 und April 1945 durchliefen etwa 18.000 Häftlinge dieses Lager. Sie mussten unterirdische Produktionsstätten für die deutsche Rüstungsindustrie errichten bzw. dort arbeiten. Etwa 4.500 Häftlinge haben diese Zeit nicht überlebt. „Die einstige Höhle bei Leitmeritz war zur Hölle in Leitmeritz geworden. Zutiefst bedauere ich als bayerischer Abgeordneter und als Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, was Deutsche ganz besonders auch in der ehemaligen Tschechoslowakei den Menschen an Unrecht, Leid und Tod zugefügt haben“, so Stiftungsdirektor Karl Freller.

Jedes Jahr gedenken Stiftung Bayerische Gedenkstätten und der Bayerische Landtag am Holocaustgedenktag gemeinsam der Opfer des Nationalsozialismus. Erstmals fand dieser Gedenkakt außerhalb Bayerns statt. Eine bayerische Delegation war zwei Tage lang in Tschechien. Im Rahmen des Programms eröffnete die Stiftung Bayerische Gedenkstätten in Kooperation mit dem tschechischen Kulturministerium am 26. Januar 2017 die Ausstellung ‚KZ-Überlebt‘ von Stefan Hanke in der Deutschen Botschaft. Am 27. Januar nahm die Delegation am Vormittag an der jährlichen Gedenkfeier der Föderation der Jüdischen Gemeinden Tschechiens im tschechischen Senat teil, bei der Landtagspräsidentin Barbara Stamm eine Rede hielt und auf die historische Bedeutung dieses Tages hinwies. Anschließend fand der gemeinsame Gedenkakt mit dem tschechischen Parlament in Leitmeritz und Theresienstadt statt. 

„Die aktuellen Ereignisse in der Welt machen uns große Sorgen! Umso wichtiger ist der Zusammenhalt demokratisch geführter Nationen gegen jede Form von Extremismus. Wir sind heute hier, um gemeinsam – über nationale Grenzen hinweg – transnational an Ereignisse zu erinnern, welche die Geschichte dieser beiden Nachbarländer geprägt haben“, so Karl Freller. An der Gedenkfeier nahmen neben Vertretern des tschechischen Abgeordnetenhauses, des Senats und zahlreichen Kommunalpolitikern auch Überlebende teil, die als Gäste der Stiftung Bayerische Gedenkstätten aus Bayern mitgekommen waren: Ernst Grube, Abba Naor und Jack Terry. In Leitmeritz legten der Stiftungsdirektor und Jack Terry, der Häftling im KZ Flossenbürg war, gemeinsam den Kranz nieder. In Theresienstadt legte Ernst Grube, der neben vielen anderen Lagern auch hier inhaftiert war, gemeinsam mit Karl Freller den Kranz am Denkmal nieder. „Mögen uns die vielen Millionen Opfer des vergangenen Jahrhunderts eine Warnung sein,“ so der tschechische Überlebende Miroslav Kubík, der bei der Gedenkfeier in Theresienstadt eine bewegende Rede hielt.

Autorin: Dr. Erika Tesar

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